30.10.2026
Ägypten: Sechs Kopten nach TikTok-Video wieder frei
Fall in Minya sorgte für religiöse Spannungen
Kairo (IDEA) – In Ägypten sind sechs junge Kopten wieder auf freiem Fuß, die wegen eines TikTok-Videos verhaftet worden waren. Die Behörden hatten das Video als beleidigend für den Islam eingestuft. Darüber berichtet die katholische Nachrichtenplattform EWTN News unter Bezug auf ihren arabischsprachigen Partner ACI MENA. Die jungen Männer im Alter zwischen 17 und 23 Jahren stammen aus der Siedlung Ezbet Tanious im Distrikt Samalut (Provinz Minya). Sie hatten eine Szene aus einem Film nachgespielt und am 4. Oktober veröffentlicht. Wie der ägyptische Publizist und Bürgerrechtsforscher Nader Shukry gegenüber ACI MENA erklärte, mache die Szene keine Religion lächerlich, sondern zeige Gefangene, die für Mobbing und Gewalt bekannt seien und versuchten zu beten, ohne zu wissen, wie. Zahlreiche ägyptische Muslime hätten dieselbe Szene nachgestellt und veröffentlicht, ohne dass es zu vergleichbaren Reaktionen gekommen sei. Nachdem jedoch die jungen Kopten das Video gepostet hätten, habe ein Dorfbewohner sie beschuldigt, den Islam beleidigt zu haben. Die jungen Männer hätten das Video kurz nach der Veröffentlichung bereits wieder gelöscht, so Shukry. Die Aufregung sei jedoch weitergegangen, weshalb die Sicherheitskräfte die Beschuldigten am 6. Oktober in Gewahrsam genommen hätten, um mögliche Angriffe auf Christen und ihr Eigentum zu verhindern. Extremistische Strömungen in Minya hätten versucht, Unruhe zu stiften. Im Dorf habe zudem ein Deeskalationstreffen stattgefunden, an dem sich auch die lokale Kirche beteiligt habe. Formal ist der Fall laut Shukry erst mit einer Entscheidung des Generalstaatsanwalts abgeschlossen, in der Praxis jedoch weitgehend beendet. Er verwies auf die verhältnismäßig kurze Haftzeit der sechs Kopten von weniger als drei Wochen im Vergleich zu ähnlichen Fällen.
Appell zu Vorsicht
Shukry warnte davor, die Handlung eines Einzelnen einer gesamten Religionsgemeinschaft zuzuschreiben. Ein Bürger müsse für sein eigenes Verhalten zur Rechenschaft gezogen werden; die Christen insgesamt oder ein ganzes Dorf dürften nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Er verwies zudem auf Internetseiten, die Inhalte veröffentlichten, die Christen beleidigten, ohne dafür rechtliche Konsequenzen tragen zu müssen. Zugleich rief Shukry junge Ägypter zur Vorsicht im Umgang mit religiösen Themen in sozialen Medien auf. Viele Christen seien in der Vergangenheit in Verfahren wegen angeblicher Religionsbeleidigung verwickelt worden, weil sie mit dem ägyptischen Recht nicht vertraut gewesen seien.
Alliance Defending Freedom: Fälle wie dieser „tragischerweise weit verbreitet“
Die Menschenrechtsorganisation Alliance Defending Freedom (ADF) hatte zur Freilassung der jungen Kopten aufgerufen. Fälle wie dieser seien in Ägypten „tragischerweise weit verbreitet“, erklärte die Direktorin für globale Religionsfreiheit, Kelsey Zorzi (Washington). Christen seien dort Drohungen, Diskriminierung und Haftstrafen ausgesetzt. Ihre Äußerungen gälten nur deshalb als problematisch, weil sie nicht der Mehrheitsreligion angehörten. Allein im vergangenen Jahr seien zahlreiche Angehörige religiöser Minderheiten strafrechtlich verfolgt und inhaftiert worden, weil sie angeblich blasphemische Inhalte in sozialen Medien veröffentlicht hätten. Als Beispiel nannte ADF den YouTuber Augustinos Samaan. Er wurde zu fünf Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt, weil er in Videos den christlichen Glauben erklärt und verteidigt hatte. Rund 90 Prozent der etwa 118 Millionen Einwohner Ägyptens sind Muslime. Die Kopten bilden die größte christliche Gemeinschaft des Landes und gelten als eine der ältesten Kirchen weltweit. Ihre Zahl wird auf rund zehn Millionen geschätzt.