30.10.2026

Äthiopien: Mindestens 60 Christen bei Angriffen getötet

Bei Angriffen auf orthodoxe Christen in der äthiopischen Region Oromia sind nach Angaben der äthiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche mindestens 60 Menschen getötet worden.

Bewaffnete Angreifer sollen in mehreren Dörfern von Haus zu Haus gezogen sein und Bewohner erschossen oder mit Messern getötet haben. Die Kirche spricht von einem „Massaker“ und fordert einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung.

Die Gewalttaten ereigneten sich am 20. und 24. Oktober in den Bezirken Merti und Shirka, südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Nach Angaben der Führungsspitze der Kirche wurden bei dem ersten Angriff 14 Menschen getötet. Vier Tage später kamen in den Dörfern Tereta, Chole und Birbo weitere 46 Menschen ums Leben. Mehr als 20 Personen wurden schwer verletzt, mindestens 20 Häuser niedergebrannt.

Wie die italienische Redaktion von Vatican News unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, gingen die Angreifer in mehreren Dörfern gezielt gegen die orthodoxe Bevölkerung vor. Unter den Todesopfern sollen sich auch Kinder und ältere Menschen befinden. Eine Kirche wurde demnach beschädigt, während andere Gotteshäuser in benachbarten Dörfern zahlreichen Flüchtenden Schutz boten.

Orthodoxe Kirche verurteilt Gewalt

Die äthiopisch-orthodoxe Tewahedo-Kirche verurteilte die Angriffe als schwere Verletzung des Rechts auf Leben und der Religionsfreiheit. Sie forderte die Behörden auf, die Zivilbevölkerung wirksamer zu schützen, weitere Gewalttaten zu verhindern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Zugleich ordnete die Kirche Gebete für die Opfer in orthodoxen Kirchen und Klöstern weltweit an. Auch die Regionalregierung kündigte an, gegen die Verantwortlichen vorzugehen.

Hintergründe der Angriffe noch unklar.

Die Identität der Angreifer ist bislang nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der äthiopischen Behörden soll in der Region ein Rebellenbündnis mit der Bezeichnung „Tsimido“ aktiv sein. Diesem sollen unter anderem die Oromo-Befreiungsarmee (OLA), die Amhara-Milizen Fano und Kräfte aus der Region Tigray angehören. Die Behörden werfen dem Bündnis vor, ethnische und religiöse Spannungen zu schüren.

Eine unmittelbare Verantwortungsübernahme für die jüngsten Angriffe liegt jedoch nicht vor. Die Oromo-Befreiungsarmee hatte frühere Vorwürfe, Zivilisten angegriffen zu haben, zurückgewiesen.

Die Gewalt ereignet sich vor dem Hintergrund anhaltender Konflikte zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Gruppen in Oromia. Bereits in den vergangenen Monaten kam es in der Region wiederholt zu tödlichen Angriffen auf Zivilisten. Nach Angaben des Äthiopischen Menschenrechtsrats wurden in Ost-Arsi zwischen 2021/22 und Juni 2026 mindestens 432 Zivilisten bei gezielten Angriffen getötet. Frühere Berichte dokumentierten auch Gewalt gegen Muslime.

(kap/vatican news – vo)