01.08.2020

Kasachstan: Zwei Gebäude beschlagnahmt

Konfiskation von zwei Gebäuden christlicher Gemeinden in der Hauptstadt Nursultan angeordnet

Die Stadtbehörden der kasachischen Hauptstadt Nursultan (ehemals Astana) haben die Konfiskation der Gebäude der presbyterianischen Gnadenkirche und der Pfingstgemeinde Agape angeordnet, die im Begriff war, ihr Gebäude auf demselben Gelände zu errichten. Derzeit stehen zwei der geplanten vier Stockwerke des Gebäudes, das als Gottesdienststätte und Zentrale des Bundes der Pfingstgemeinden Kasachstans dienen soll. Sofort nach Bekanntwerden des Enteignungsdekrets wurden die Bauarbeiten unterbrochen. Die Stadtbehörden behaupten, das Grundstück würde für einen neuen Kindergarten benötigt, haben sich jedoch geweigert zu erklären, weshalb sie keinen anderen Standort für den Kindergarten finden können, zumal im selben Stadtbezirk Baikonur zwei möglicherweise geeignete halb fertige Gebäude vorhanden sind. Die Gnadenkirche hat das von ihr genutzte ehemalige Schulgebäude 2001 erworben. Die von der Stadtverwaltung angebotene Entschädigung liegt weit unter dem Wert des Grundstücks und Gebäudes.

Das Dekret über die Enteignung wurde am 20. Februar 2020 erlassen. Bereits 2014 hatten die Behörden versucht, Grundstück und Gebäude zu enteignen, doch dies konnte durch Verhandlungen mit der Stadtverwaltung abgewendet werden. Auch dieses Mal suchten die Leiter der Gnadenkirche, das Problem auf dem Verhandlungsweg zu lösen. Die Behördenvertreter behaupteten allerdings, man hätte Beschwerden von Bewohnern des Stadtviertels erhalten, dass es sich bei der Kirche um eine Sekte handelt. Vom Staat finanzierte „Antisektenzentren“ werden schon lange Zeit eingesetzt, um eine feindliche Haltung gegen die Ausübung der Religions- und Glaubensfreiheit zu fördern. Die Gnadenkirche hat das Dekret vom Februar 2020 nunmehr vor Gericht angefochten, doch die zuständige Richterin ist erkrankt und es ist unklar, wann eine Verhandlung stattfinden wird. Pastor Dmitry Kan von der Gnadenkirche erklärte gegenüber Forum 18: „Wir wollen unser Gebäude einfach nur weiterhin für Gottesdienste nutzen.“ Pastor Igor Tsay von der Agape Gemeinde erklärte: „Seit 2002 haben wir davon geträumt, ein eigenes Gebäude zu haben und wir haben gerade begonnen, dieses zu errichten. Und dann das. Das kam unerwartet – ein Schock.

Beide Gemeinden haben sich mit der Bitte um Aufhebung des Dekrets an den Staatspräsidenten Qassym Schomart Toqajew gewandt. Die Gnadenkirche war bereits vor dem ersten Enteignungsversuch staatlichen Anfeindungen ausgesetzt. Ein trauriger Höhepunkt war die zwangsweise Einweisung ihres pensionierten Pastors Bakhytzhan Kaschkumbajev in eine psychiatrische Klinik im Jahr 2013. 2014 wurde er für schuldig befunden, die Gesundheit eines Gemeindemitglieds geschädigt zu haben.

Die Gnadenkirche hat nach Angaben ihres Pastors Dmitry Kan fast 500 Mitglieder und hat bis zum Ausbruch der Coronavirus Pandemie jeden Sonntag mehrere Gottesdienste in ihrem Gebäude durchgeführt. Auch an den meisten Abenden der Woche fanden Versammlungen statt. Die Kirche wurde 1995 erstmals registriert und im Dezember 2012 nach dem neuen Religionsgesetz von 2011, das eine Neuregistrierung aller Religionsgemeinschaften forderte, neuerlich registriert. Ihr Gebäude im Stadtbezirk Baikonur erwarb die Kirche im September 2001.

Quelle: Forum 18, Oslo (Meldung vom 31. Juli 2020)

Deutsche Fassung: Arbeitskreis Religionsfreiheit der ÖEA