01.09.2020

Deutschland: Kirchenkreis unterstützt Muezzinruf der DITIB-Moschee

Herford: Sie hatte 2018 mit einem Video von Kindern in Kampfanzügen Kritik ausgelöst

Herford (idea) – Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Herford, Michael Krause, hat sich für die Erlaubnis des öffentlichen Muezzinrufs von der örtlichen Moschee des türkisch-islamischen Verbandes DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) ausgesprochen. „Den Gebetsruf halte ich für okay“, sagte Krause in einem Interview mit der Zeitung „Westfalen-Blatt“. Hintergrund: Der Herforder Bürgermeister Tim Kähler (SPD) hatte der DITIB-Gemeinde im Juni erlaubt, den Muezzinruf freitags per Lautsprecher zu übertragen. Das hatte Kritik hervorgerufen. So erklärte die CDU-Bürgermeisterkandidatin Anke Theisen laut „Westfalen-Blatt“ auf ihrer Facebook-Seite: „Wir wollen keine Gebetsaufrufe hören, schon gar nicht von einer Moschee, die Kinder in Militäruniformen auflaufen lässt.“ Die Herforder DITIB-Moschee hatte 2018 mit einem Internetvideo von marschierenden Kindern in türkischen Kampfanzügen für Kritik gesorgt. Sie waren bei einer Aufführung zum Gedenktag an die Schlacht von Gallipoli im Jahr 1915 gefilmt worden. Weiter schrieb Theisen, Glaubensfreiheit bedeute nicht, „dass man anderen seinen Glauben aufzwingt. Diesen Aufruf kann man auch übers Internet oder Radio machen.“ Der Facebook-Post wurde später gelöscht. Krause erklärte in dem Interview, die in Deutschland herrschende Religionsfreiheit gelte „für Christen, Juden, Muslime und andere“. In Herford gebe es ein „interreligiöses Gespräch vor Ort“, in dem „auch über kritische Fragen“ geredet werde. „Neben der Solidarität mit einer anderen Religionsgemeinschaft braucht es für die Debatte eine Versachlichung und Vertiefung. Das ist unsere Aufgabe“, so der Superintendent.