03.11.2020

Berg-Karabach: EKD-Chef fordert Ende der Gewalt

Landesbischof Bedford-Strohm spricht bei ökumenischem Friedensgebet

München (idea) – Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), fordert ein Ende der Kriegshandlungen in der Region Berg-Karabach. Gemeinsam mit Kirchenvertretern betete er für Frieden in der umkämpften Kaukasusregion. Anlässlich eines ökumenischen Friedensgebets am 1. November im katholischen Liebfrauendom in München ruft er die Weltgemeinschaft auf, die Gewalt nicht länger hinzunehmen. Sie müsse sich „aktiv einschalten“, damit die Menschen in Berg-Karabach sicher leben können, schreibt Bedford-Strohm auf seiner Facebook-Seite. An dem Gebetstreffen nahmen auch der Primas (Leiter) der Armenischen Apostolischen Kirche in Deutschland, Bischof Serovpé Isakhanyan (Köln), und der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx (München), teil. Hintergrund: Armenien und Aserbaidschan befinden sich seit dem 27. September im Kriegszustand. Die überwiegend von christlichen Armeniern bewohnte Region Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum muslimisch geprägten Aserbaidschan, wird aber seit 1994 von Armenien kontrolliert. Der Konflikt um Berg-Karabach schwelt seit Jahrzehnten. Aserbaidschan erhebt Anspruch auf das Gebiet und hat deshalb eine Offensive begonnen. Auch mit internationaler Hilfe vereinbarte Waffenruhen zwischen Armenien und Aserbaidschan wurden gebrochen.

Versöhnung durchbricht Täterlogik

Wie Bedford-Strohm weiter schreibt, schmerzt ihn das auf beiden Seiten verursachte Leid. Seit Ausbruch der Kriegshandlungen sei er kontinuierlich im Gebet mit den Menschen in Berg-Karabach verbunden. „Mütter weinen um ihre Kinder. Söhne und Töchter verlieren ihre Väter. Wohnhäuser, Schulen und sogar Gotteshäuser werden zerstört. Der Krieg kennt nur Verlierer. Gewalt ist immer eine Niederlage.“ Deswegen sei es wichtig, auf die Worte Jesu zu hören. Jeder Mensch sei geschaffen zum Bild Gottes. Angesichts dessen sei es vielleicht die „größte Zumutung, der Jesus uns aussetzt, wenn er sagt: ‚Liebet eure Feinde! Tut wohl denen, die euch hassen!‘“. Doch wer die Hand zur Versöhnung ausstrecke, durchbreche die Logik der Gewalttäter, die Menschen in ihre Gewalt hinzuzuziehen versuchen.