05.10.2020

Deutschland: Neues kirchliches Netzwerk für iranische Christen gegründet

Bayreuther Regionalbischöfin: „Viele Gemeindemitglieder stecken in der Falle.“

Bayreuth (idea) – Eine neue Initiative will iranische Kirchenmitglieder, denen die Abschiebung aus Deutschland droht, besser unterstützen. Das „Netzwerk zum Schutz iranischer Christen“ wurde am 1. Oktober offiziell in Neudrossenfeld (Oberfranken) vorgestellt. Das teilte die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner mit. Sie ist neben dem Verein „matteo Kirche und Asyl“ (Nürnberg) Mitinitiatorin. Ziel sei es, die Kräfte von Pfarrern und ehrenamtlichen Flüchtlingsbegleitern zu bündeln und Erfahrungen auszutauschen, heißt es weiter. Damit sollen iranische Flüchtlinge, die Mitglied einer evangelischen Kirche sind, beraten und bei Behördenangelegenheiten unterstützt werden.

Neues Gesetz erleichtert Abschiebungen

Zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gehören nach Angaben rund 1.670 im Iran geborene Christen, davon über 330 im Kirchenkreis Bayreuth. „Viele unserer iranischen Gemeindeglieder stecken in der Falle“, so die Regionalbischöfin. Häufig hielten Behörden und Gerichte, die über Asylanträge entscheiden, ihr Bekenntnis zum Christentum für vorgetäuscht. Greiner: „Sie erwarten von ihnen, dass sie ihre Taufe im Iran verheimlichen.“ Zudem habe das sogenannte „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“ ihre Situation wesentlich verschärft. Es trat im August 2019 in Kraft und soll die Abschiebung von ausreisepflichtigen Ausländern erleichtern. Die Regelung sieht unter anderem mehr Möglichkeiten für eine Inhaftierung von Menschen ohne Bleiberecht vor. Zudem drohen Sanktionen wie Arbeitsverbot, Wohnsitzauflage oder Bußgelder, wenn Ausweispapiere fehlen oder falsche Angaben zur Identität gemacht wurden. Betroffene erhalten eine sogenannte „Duldung für Personen mit ungeklärter Identität“. Mit Blick auf iranische Christen spricht Greiner von einer Ausweglosigkeit: „Wenn sie keinen Pass vorlegen, dürfen sie nicht arbeiten und haben keine Lebensperspektive, aber der Pass ist gleichzeitig das Ticket für die Abschiebung. Davor haben sie große Angst.“ Nach Angaben des Hilfswerks Open Doors droht im Iran zum Christentum übergetretenen Muslimen Verfolgung, insbesondere durch die Regierung. Das Land belegt auf der Liste der Länder, in denen Christen am meisten verfolgt werden, Platz 9.