05.11.2020

Großbritannien: Kirchenvertreter kritisieren Kirchenschließungen

Lockdown: Gottesdienste sind bis zum 2. Dezember untersagt

London (idea) – Aufgrund des deutlichen Anstiegs von positiven Corona-Tests hat die Regierung in Großbritannien landesweite Ausgangsbeschränkungen (Lockdown) erlassen. Davon sind auch die Kirchen betroffen. Die Bürger dürfen vom 5. November bis zum 2. Dezember ihre Wohnungen nur noch aus wichtigen Gründen verlassen, etwa um zur Arbeit oder zum Arzt zu gehen. Restaurants werden geschlossen, Schulen bleiben geöffnet. Gottesdienste sind untersagt. Kirchen dürfen nur noch für Beerdigungen, zur Übertragung von Online-Gottesdiensten, für persönliches Gebet, als Teil einer Schule, für wichtige soziale Dienste wie Blutspenden oder Lebensmittelausgaben oder als Treffpunkt für Selbsthilfegruppen geöffnet sein. In Großbritannien gab es bisher über 47.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona.

Katholiken: Gottesdienste waren große Hilfe in der Pandemie

Die katholische Bischofskonferenz in Großbritannien kritisierte das Vorgehen der Regierung und forderte eine Begründung. Der erneute Lockdown bringe „vielen Menschen Not, Elend und Leid“. Die Bischöfe erinnern daran, dass die religiösen Glaubensgemeinschaften eine entscheidende Rolle dabei gespielt hätten, die persönliche und geistliche Gesundheit vieler Menschen zu erhalten.

Anglikaner: Nicht in die Entscheidung einbezogen worden

Auch die anglikanische Kirche von England äußerte sich besorgt über die neuen Bestimmungen. Die Erzbischöfe von Canterbury und York, Justin Welby und Stephen Cottrell, sowie die Bischöfin von London, Sarah Mullally, kritisierten, dass sie nicht in die Entscheidung über die konkreten Maßnahmen einbezogen worden seien. Zwar seien die Kirchen zur Planung von Livestream-Gottesdiensten offen, doch damit hätten die Gläubigen immer noch keinen Zugang zu den Sakramenten. Die Kirchenvertreter rufen die Gemeinden trotzdem dazu auf, sich an das Gesetz zu halten und den Lockdown als „Monat des Gebets“ zu nutzen.

Freikirchen-Direktor: Verbot von Hochzeiten schwerer emotionaler Schlag

Der Direktor der Vereinigung Unabhängiger Evangelischer Kirchen in Großbritannien (FIEC), John Stevens, schrieb als Reaktion auf den angekündigten Lockdown auf Twitter, er habe das Gefühl, dass der Wert der Kirchen für die Gesellschaft „einfach nicht mit der Bewertung durch Regierung, Öffentlichkeit, Medien übereinstimmt“. Das mit den Kirchenschließungen verbundene Verbot von kirchlichen Trauungen bezeichnete er gegenüber BBC als „sehr bedeutenden emotionalen Schlag“ für christliche Paare, die ihre Hochzeiten für November geplant hatten. Insgesamt empfindet er das Aussetzen der Gottesdienste als unfair: „Die Kirchen haben große Anstrengungen in Maßnahmen gegen das Coronavirus gesteckt, und sie sind viel sicherer als andere Einrichtungen, die wie weiterführende Schulen noch offen sein dürfen.“ Eine Gruppe von 71 Kirchenrepräsentanten hat die Regierung am 2. November offiziell dazu aufgefordert, die Gottesdienste nicht zu verbieten. Gegebenenfalls werde man rechtliche Schritte dagegen einleiten.