05.11.2020

Kenia: Anstieg geschlechterspezifischer Gewalt

Katholische Kirche sensibilisiert Familienbeauftragte

Nairobi (Fides) - „Die Familie ist einer der wertvollsten Werte, die die Kirche besitzt und fördert. Wenn es den Familien gut geht, wird die Gesellschaft gedeihen. Wenn in den Familien etwas schief geht, ist auch die Gesellschaft betroffen. Denn Gott wollte, dass die Familie als Kernzelle der Gesellschaft ein Ort der Heiligkeit, der Gemeinschaft und der Liebe ist", so Bischof John Oballa Owaa von Ngong, zu den Familienbeauftragen seiner Diözese bei einem Seminar zur Prävention von Gewalt in der Familie. Der Fortbildungskurs wurde von der Abteilung für Familienseelsorge der Bischofskonferenz von Kenia (KCCB) organisiert und ist der erste einer Reihe von Kursen, die in katholischen Diözesen in Kenia geplant sind, um dem Anstieg von geschlechterpezifischer Gewalt und Gewalt in den Familie während der Covid-19-Pandemie entgegenzuwirken. Wie Bischof Owaa betont, ist die katholische Kirche zutiefst besorgt über die Zunahme der Gewalt in Familien und möchte deshalb insbesondere Ehepaare einladen, ihre Beziehung im Zeichen von Mitgefühl und Liebe für einander zu leben.
"Das Wort Gottes kann unsere Wut, unsere Intoleranz und unsere Tendenz zur Gewalt heilen, so dass wir beginnen können, in allen Situationen, insbesondere in unserem Lebensumfeld, mit Liebe und Barmherzigkeit miteinander umzugehen", betont der Bischof. “Ich glaube dass wir Raum für Intoleranz und Gewalt schaffen, wenn wir anfangen, selbstsüchtig und berechnend zu sein. Wenn Menschen dies tun, schaffen sie Raum für Zwietracht und Bitterkeit".
Bischof Owaa forderte die Familienbeauftragten deshalb auf, sich um ein beispielhaftes Famlienleben zu bemühen, damit sie Vorbilder sind, denen andere nacheifern können: "Ich lade alle ein, darüber nachzudenken, ob sie der Mann oder die Frau, der Ehepartner, der Vater oder die Mutter sind, die sie sein sollten. Gott hat Erwartungen an uns, so wie die Kirche Erwartungen an uns hat".
"Wenn alle Familien sich ihres kirchlichen Dienstes bewusst wären, hätte geschlechtsspezifische Gewalt keinen Platz in der Gesellschaft", so Bischof Oballa. „Wenn jeder in jedem Menschen sich und die anderen, als ein Kind Gottes betrachten würde, gäbe es keine geschlechtsspezifische Gewalt. Deshalb, geht hinaus und seid Botschafter der Liebe und des Friedens Gottes."
Laut dem Kenya National Bureau of Statistics haben 23,6% der Kenianer seit Einführung der Einschränkungen zur Vorbeugung gegen die Verbreitung von Covid-19 Fälle von häuslicher Gewalt in ihren Gemeinden beobachtet oder davon erfahren. Die nationale Hotline für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt erhielt im September 810 Anrufe, verglichen mit 646 Fällen im August, was einem Anstieg von 25% entspricht. Alle Fälle erhielten psychosoziale Ersthilfe (PFA) und Vermittlungsangebote. Eine vom Ministerium für Gesundheit und Bevölkerung (April 2020) durchgeführte Studie ergab, dass 39% der Frauen und 32% der Männer in ihrem häuslichen Umfeld unter Spannungen litten.
(L.M.) (Fides 5/11/2020)