07.08.2020

Pakistan: Christin muss zu muslimischem Entführer zurück

Gericht: Der Richter begründet dies mit der angeblichen Konversion der 14-Jährigen

Lahore (idea) – In Pakistan muss eine minderjährige Christin zurück zu ihrem muslimischen Entführer. Das berichtet International Christian Concern (ICC). Am 28. April war die 14-jährige Maira Shahbaz auf offener Straße mit vorgehaltener Waffe von dem Muslim Mohamad Nakash und zwei Komplizen in der Nähe von Faisalabad (Provinz Punjab) entführt worden. Anschließend nötigte er die Katholikin, zum Islam überzutreten und ihn zu heiraten. Der Mann behauptete, dass das Mädchen bereits 19 Jahre alt sei. Die Familie ging gerichtlich gegen den Entführer vor. Obwohl sie anderslautende Urkunden, kirchliche Dokumente und Schulunterlagen vorlegte, urteilte ein Bezirksgericht in Faisalabad in einem Schnellverfahren zugunsten Nakashs. Der Anwalt der Familie des Mädchens, Khalil Tahir Sandu, legte Berufung ein. Am 30. Juli ordnete das Gericht an, dass Shahbaz bis zur Verhandlung vor dem Obersten Gericht in Lahore in ein Frauenhaus gebracht werden sollte. Die Entscheidung des Obersten Gerichts fiel allerdings bereits am 4. August – zugunsten des angeblichen Ehemanns. Richter Raja Muhammad Shahid begründete den Schritt mit der angeblichen Konversion des Mädchens zum Islam. Bei der Urteilsverkündigung soll Shahbaz in Tränen aufgelöst gewesen sein. Anwalt Sandu nannte die Entscheidung „unglaublich“: „Es ist ein islamisches Urteil.“ Er will Berufung einlegen. Die Geburtsurkunde zeige, dass das Mädchen zum Zeitpunkt der Zwangsheirat erst 13 Jahre gewesen und dass die von dem Muslim vorgelegte Heiratsurkunde gefälscht sei. Zudem dürften laut pakistanischer Gesetzgebung Minderjährige nur mit Erlaubnis ihrer Eltern die Religion wechseln. Die Menschenrechtsaktivistin Lala Robin Daniel kommentierte, dass „mit diesem Urteil kein christliches Mädchen in Pakistan mehr sicher ist“.

 

Mit der Islamisierung des Landes hat auch die Zahl der Entführungen zugenommen

Die Evangelische Nachrichtenagentur idea hatte bereits Ende Mai über den Fall berichtet. Damals sagte die Menschenrechtsanwältin Aneeqa Anthony (Lahore) gegenüber idea, dass das Schicksal des Mädchens kein Einzelfall sei. Die Islamisierung habe in den vergangenen 20 Jahren zugenommen und mit ihr auch die Zahl der Entführungen: „Allein im Jahr 2019 wurden rund 1.000 minderjährige Mädchen religiöser Minderheiten in Pakistan von Muslimen entführt, verheiratet und zwangskonvertiert.“ Nur selten gebe es Gerechtigkeit für die betroffenen Familien seitens der Behörden und Gerichte. Wenn jemand zum Islam übergetreten sei – egal ob freiwillig oder unter Zwang –, sei ein erneuter Glaubenswechsel illegal. Wenn ein Mädchen fliehe und zu ihrer Familie zurückkehre, werde es bedroht und müsse auch mit seiner Ermordung rechnen. Von den über 216 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus.