07.09.2020

Iran: Glaube in der Isolation

Pastor Wahid wurde wegen seines Glaubens von den Behörden inhaftiert

(Open Doors, Kelkheim) – In Iran befinden sich derzeit mehrere Dutzend Christen wegen ihres Glaubens im Gefängnis. Das Land gehört für Christen zu den zehn gefährlichsten Ländern weltweit, auf dem aktuellen Weltverfolgungsindex von Open Doors nimmt Iran Rang 9 ein. Wer sich im schiitischen Gottesstaat vom Islam abwendet, muss mit extremer Verfolgung rechnen, besonders durch Behörden und die Regierung. Viele konvertierte und traditionelle Christen sind deshalb aus Iran geflohen, wie jüngst ein Pastorenehepaar.
 

Isolation ist nicht das Ende christlicher Gemeinschaft
Keine Umarmungen am Sonntagmorgen, kein gemeinsames Essen mit Brüdern und Schwestern: Christen weltweit sind wegen der Corona-Pandemie isoliert. Die Christen in Iran sind mit Isolation bereits vertraut. Pastor Wahid* wurde beim Treffen einer Hauskirche verhaftet und für 36 Tage in Einzelhaft gesteckt. Er lässt uns daran teilhaben, was er während der Haft über das geistliche Miteinander in Zeiten der Isolation gelernt hat:


Füreinander beten
„Isolation ist nicht die Zeit, sich auf sich selbst zu konzentrieren. In der Haft war es das Gebet für andere, das mich am Leben hielt. Ich hatte niemanden, mit dem ich reden, und keine Bibel, in der ich lesen konnte. Aber ich betete jeden Tag für die Brüder und Schwestern, die mit mir verhaftet worden waren. Als wir wieder frei waren, hörte ich, dass die anderen das Gleiche für mich getan hatten.“


Das Abendmahl in einer kleinen Gruppe feiern
„Als ich nach der Einzelhaft in eine Zelle mit anderen verlegt wurde, lernte ich dort zwei andere Christen kennen. Wir fanden etwas Saft und Kekse, setzten uns auf das dreistöckige Etagenbett und feierten das Abendmahl. Das fühlte sich dort noch besser an als in der Hauskirche. Das gab mir Kraft.“


Auch wenn die Gemeinschaft des Gottesdienstes fehlt – Jesus ist gegenwärtig
„Ich habe meine Glaubensbrüder sehr vermisst, als die Regierung unsere Kirche schloss. Und mehr noch im Gefängnis. Und jetzt wieder wegen der Pandemie. In dieser Zeit habe ich meine Kirche noch mehr schätzen gelernt. In der Abwesenheit derer, die wir lieben, wächst unsere Liebe zu ihnen. Außerdem wurde ich in der Zeit an meine Abhängigkeit vom Herrn erinnert. Außerhalb des Gefängnisses bin ich eher geneigt, mich auf mich selbst oder auf andere zu verlassen. Aber im Gefängnis habe ich gelernt, mich völlig auf den Herrn zu verlassen. Ich denke, das ist es, was wir in dieser Krise lernen können – alles von Jesus zu erwarten.“
*Name geändert
Nachricht bereitgestellt von Open Doors Deutschland