07.11.2020

Kuba: Christliches Leben unter dem Kommunismus

Kuba gehört zu den drei ausgewählten Ländern für deren Bevölkerung wir 2020 zum Weltweiten Gebetstag für verfolgte Christen beten

(AKREF) Die spanischen Kolonialherren haben den Katholizismus gesellschaftlich verankert. Dagegen entwickelten und praktizierten die aus Afrika stammenden Nachkommen von Sklaven „Santeria“ einen Synkretismus zwischen der traditionellen Yoruba-Religion Westafrikas und der römisch-katholischen Form des Christentums. Fidel Castro etablierte flächendeckend den Atheismus. Im 19. Jahrhundert wurde Kuba durch westliche Kirchen evangelisiert. Diese zählte bis zur Revolution 1959 viele Mitglieder. Das atheistische Regime verwies in den 1960ern ausländische Missionare des Landes, kubanische Pastoren wurden in Konzentrationslager gesteckt, Kirchengebäude enteignet oder demoliert, Bibelschulen geschlossen, christliche Literatur verbrannt, etc. Die Gemeinde Jesu überlebte diesen Feuerofen und fand zu kreativen Lösungen für ihre Existenz. Seit der extremen Wirtschaftskrise der 1990er sind viele Kubaner von der castrischen Revolution enttäuscht und auf der Suche nach Sinn. Gott wirkt viele Zeichen und Wunder, immer mehr Menschen finden zum Glauben an Jesus. Die Kirchengebäude von vor der Revolution dürfen für Gottesdienste wieder benützt werden. Zudem erlaubte Castro unter strikten Auflagen „Stubenversammlungen“ (Casa Cultos).

Ein massives Gemeindewachstum setzte ein, so dass in der Gegenwart selbst von Seiten der kubanischen Behörden von mehr als 10 Prozent evangelischen Christen der Gesamtbevölkerung ausgegangen wird. Eine Verbesserung für die Christen ist zwar feststellbar, verglichen mit der Lage in den 1960ern. Doch ist Verfolgung weiterhin vorhanden: Von einer normalen oder gar guten Situation für Christen kann leider noch immer nicht ausgegangen werden.

Es ereignen sich jährlich Hunderte von Übergriffen gegen Christen, die wenigsten erlangen öffentliche Aufmerksamkeit. Einige Beispiele, die stellvertretend für viele andere Fälle sind: Die Pastorin Adya Expósito Leyva wurde am Samstag, dem 29. März 2020, aus der Haft entlassen. Sie war am 16. April 2019 zusammen mit ihrem Ehemann Ramón Rigal inhaftiert worden. Das Ehepaar wurde verurteilt, weil es sich geweigert hatte, seine Kinder in staatlich geführte Schulen zu schicken, sondern sie zu Hause unterrichteten. Adya hatte über 11 Monate einer 18-monatigen Haftstrafe wegen des mutmaßlichen Verbrechens „anderer Handlungen gegen die normale Entwicklung eines Minderjährigen“ verbüßt. Ramón Rigal wurde im Juni vorzeitig aus der Haft entlassen. In Wahrheit wollten sie nur ihre Kinder vor der ideologischen Indoktrination schützen. Im Juni 2019 gründen 28 Leiter von 6 evangelischen Denominationen nach vielen Jahren Vorbereitung die Evangelische Allianz (AIEC). Sie beantragen bei den Behörden formelle Anerkennung dieser Körperschaft, welche immerhin eine Million Christen repräsentiert. Doch diese verweigern kategorisch jedes Recht auf Existenz oder Anerkennung. Mitte 2019 verbieten die Behörden vielen Rechtsanwälten, Oppositionellen, Künstlern, Medienschaffenden, etc. die Ausreise aus Kuba. Betroffen sind ebenfalls viele Gründungsleiter der AIEC, mit der Begründung, es laufe gegen sie ein Verfahren. Einem wurde gesagt, der Dienst für „Innere Sicherheit“ habe ihm die Ausreise verboten. Einige der Pastoren waren eingeladen, um in Washington über die Verfolgung der Christen Bericht zu erstatten. Unter absurden Auflagen dürfen einige Pastoren inzwischen wieder aus- und einreisen. Am 30. März 2020 demolieren die Behörden in Mella, Provinz Santiago de Cuba, ein Kirchengebäude. Der Versammlungsraum sei illegal konstruiert worden, begründen sie ihr Vorgehen. Nur ganz wenige Kirchengebäude erhalten auf Kuba ausnahmsweise eine offizielle Erlaubnis für Umbau, Renovierung oder Neubau. Die notwendige Reparatur eines zerstörten Daches ohne Erlaubnis ist demnach illegal.

 

Wir beten für

  • die jungen Menschen, die besonders offen sind für das Evangelium;
  • die evangelischen Hauskirchen und Kirchen, dass ihre Versammlungen fröhlich und ungehindert stattfinden können und dass ihre Baugesuche genehmigt werden;
  • die formelle Anerkennung der Evangelischen Allianz Kuba;
  • die Christen, die in Zeiten wirtschaftlicher Krise den Nöten von Bedürftigen helfen und die Gute Nachricht weitergeben;
  • ein Ende der Wirtschaftskrise, dass die Menschen vor Hunger und Entbehrung verschont bleiben und die im Land vorhandenen Möglichkeiten besser für die Bevölkerung genutzt werden;
  • die Regierung, dass immer mehr Führungskräfte auf allen Ebenen zum Glauben an Gott finden und Christen nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen werden.

Quelle: AKREF Schweiz