08.10.2020

Burkina Faso: UNHCR ist „schockiert“

Bei Überfall auf humanitären Konvoi starben 25 Menschen

Ouagadougou (Fides) - In der Nacht vom 4. auf den 5. Oktober wurden bei einem Angriff auf einen humanitären Konvoi in Burkina Faso mindestens 25 Menschen getötet.
"25 Menschen - alle Männer - starben und ein weiterer wurde schwer verletzt, nachdem ein Konvoi mit 46 Menschen von einer bewaffneten Gruppe in der Nähe von Pissila in der Provinz Sanmatenga überfallen worden war", heißt es in einem Bericht des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR).
"Während dieses Angriffs wurden die Männer von der Gruppe getrennt und hingerichtet. Einer von ihnen überlebte, weil man meinte er sei tot. Frauen und Kinder wurden freigelassen, während die bewaffnete Gruppe die Flucht ergriff", so das UNHCR. Den Überlebenden sei es gelungen, die neun Kilometer vom Ort des Angriffs entfernte Stadt Pissila zu erreichen.
Burkina Faso ist zusammen mit seinen Nachbarn Mali und Niger eines der Länder der Sahelregion, die von ethnischer und islamistischer Gewalt betroffen sind. Diese Gewalt hat bisher fast drei Millionen Vertriebene und Flüchtlinge verursacht. Burkina Faso zahlt dabei den höchsten Preis mit einer Million Vertriebenen, d.h. fast 5% der Bevölkerung des Landes.
Der Norden des Landes ist das Gebiet, das am stärksten von islamistischer Gewalt betroffen ist, bei der bereits mehr als 1.100 Menschen ums Leben kamen, und die die Flucht von mehr als einer Million Vertriebene auf der Flucht aus den Konfliktgebieten verursachte. Nach Angaben der Vereinten Nationen starben 2019 bei dschihadistischen Angriffen und Konflikten zwischen den Stammesgemeinschaften insgesamt 4.000 Menschen in Mali, Niger und Burkina Faso.
Burkina Faso ist heute das Land mit größten Anstieg der Zahl der Vertriebenen, mit mehr als einer Million Menschen.
Bei der Eröffnung der 71. Sitzung des UNHCR-Exekutivausschusses am Montag, dem 5. Oktober, äußerte der Hohe Flüchtlingskommissar Filippo Grandi besondere Besorgnis über die humanitäre Lage in der Sahelzone. „Nur wenige Situationen haben mich so schockiert. Allein im letzten Jahr mussten mehr als 600.000 Menschen ihre Häuser verlassen (…) und das Schlimmste sind die Tausenden von vergewaltigten Frauen“, beklagt Filippo Grandi, der als Diplomat umfassende Erfahrung mit humanitären Krisen besitzt.
Die tiefen Wurzeln der Instabilität, in der die Länder der Region geraten sind (zusätzlich zu den genannten gibt es auch Konflikte in der Zentralafrikanische Republik), sind jedoch nicht nur ethnischer oder religiöser Art, sondern es spielen auch wirtschaftliche und soziale Aspekte eine Rolle, so eine aktuelle Studie der Katholische Hilfswerks Catholic Relief Services (CRS) (vgl. Fides 6/10/2020).
(L.M.) (Fides 8/10/2020)