09.07.2020

USA: Kirchenappell an Trump

Vier geplante Hinrichtungen stoppen! Erklärung: „Auf den Schutz und Erhalt des Lebens konzentrieren“

Washington (idea) – Mehr als 1.000 Vertreter von Kirchen und christlichen Werken in den USA haben Präsident Donald Trump und Justizminister William Barr aufgefordert, vier geplante Hinrichtungen auf Bundesebene zu stoppen. In einer am 7. Juli veröffentlichten Erklärung wenden sie sich gegen die Vollstreckungen im Hochsicherheitsgefängnis von Terre Haute im US-Bundesstaat Indiana. Drei sind für Juli vorgesehen, eine für Ende August. „Wir sollten uns auf den Schutz und Erhalt des Lebens konzentrieren und keine Hinrichtungen durchführen“, heißt es in der Erklärung mit Verweis auf die Corona-Pandemie mit ihren zahlreichen Todesopfern. Zu den Unterzeichnern zählen Vertreter der römisch-katholischen Kirche, der Episkopalkirche und der Evangelisch-methodistischen Kirche sowie weiterer Kirchen und Verbände. Barr hatte im vergangenen Jahr die Wiederaufnahme von Vollstreckungen nach Bundesrecht durch eine Giftspritze angekündigt, was zu scharfen Protesten von Gegnern der Todesstrafe geführt hatte. Zum letzten Mal wurde vor mehr als 16 Jahren ein Verurteilter durch Bundesbehörden hingerichtet.

„Unser Land tötet seine Bürger“

Der geschäftsführende Direktor des ökumenischen Zusammenschlusses „Christian Churches Together“ (Christliche Kirchen zusammen), Carlos Malave (Washington), der zu den Unterzeichner gehört, erklärte: „Als Protestant ist es mir unerträglich mitzuerleben, dass unser Land wieder seine Bürger tötet.“ In den letzten Monaten habe es infolge der Pandemie viele Tote und Schwerkranke gegeben. Jetzt mit Hinrichtungen zu beginnen, sollte letztlich undenkbar sein, so Malave.

Die Taten der Todeskandidaten

Alle vier Todeskandidaten wurden wegen Mordes verurteilt: Daniel Lewis Lee (46) tötete 1999 im US-Bundesstaat Arkansas eine dreiköpfige Familie, Wesley Purkey 1998 in Kansas City ein 16-jähriges Mädchen. Dustin Honken (52) erschoss 1993 fünf Personen, darunter zwei Kinder. Zwei der Opfer hatten ihn zuvor wegen Drogenhandels bei der Polizei verraten. Keith Nelson (45) missbrauchte 1999 ebenfalls in Kansas City ein zehnjähriges Mädchen und tötete es anschließend.

60 Prozent der US-Bürger gegen die Todesstrafe

Präsident Trump hatte Mitte Juni in einem Interview mit dem katholischen Sender EWTN gesagt: „Ich bin total für die Todesstrafe für abscheuliche Verbrechen.“ Laut einer Gallup-Umfrage sind rund 60 Prozent der US-Amerikaner für die Abschaffung der Todesstrafe. Sie plädieren stattdessen für eine lebenslängliche Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Nach Angaben der Johns Hopkins Universität (Baltimore/Bundesstaat Maryland) sind in den USA mehr als 132.000 Menschen an einer Corona-Infektion gestorben – so viele, wie in keinem anderen Land. Über drei Millionen sind positiv auf das Coronavirus getestet worden.