09.10.2020

Berg-Karabach: Kathedrale bei Bombenangriff beschädigt

Patriarch Karekin II. dementiert Gerüchte über „Religionskonflikt“

Shushi (Fides) - Die armenische Erlöser-Kathedrale der Stadt Shushi in Bergkarabach wurde am Donnerstag, dem 8. Oktober, von einem Raketenangriff getroffen, der am Dach des christlichen Gotteshauses erheblich Schäden verursachte. Die armenischen Behörden machten für die Bombardierung im Zusammenhang mit der neuen militärischen Eskalation in der Region, einer weiteren Episode des dreißigjährigen Konflikts in diesem Gebiet, in dem sich die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken gegenüberstehen, die aserbaidschanische Armee verantwortlich.
Die politischen und militärischen Behörden von Baku haben ihrerseits die Anschuldigungen der armenischen Regierung zurückgewiesen und argumentiert, dass "im Gegensatz zu den Aktionen der armenischen Streitkräften die aserbaidschanische Armee keine Angriffe auf historische und kulturelle Objekte und insbesondere religiöse Gebäude und Denkmäler verübe".
Die zwischen 1868 und 1887 erbaute 30 Meter hohe Erlöser-Kathedrale wurde in den frühen neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts während des ersten Ausbruchs des Konflikts von der aserbaidschanischen Armee auch als Waffenlager genutzt.
In den letzten Tagen hat der armenische Patriarch Karekin II. in einem Interview mit Armenpress sich gegen Versuche zur Wehr gesetzt, einen religiösen Konflikts zwischen Christen und Muslimen im Hintergrund der militärischen Eskalation in Bergkarabach heraufzubeschwören. "Das armenische Volk", so Patriarch Karekin, "hat sich seit dem Mittelalter auf der ganzen Welt niedergelassen, und noch mehr nach dem Völkermord an den Armeniern in der osmanischen Türkei. Viele islamische Länder haben den Kindern des armenischen Volkes, die den Völkermord überlebt haben, ihre brüderliche Hand gereicht und sie willkommen geheißen. Diese armenischen Gemeinschaften existieren immer noch. Unsere heilige armenisch-apostolische Kirche hat Diözesen und Pfarreien in einem Dutzend Ländern mit muslimischer Mehrheit, in denen die Söhne und Töchter unseres Volkes als vorbildliche Bürger leben, zum Wohlstand dieser Nationen beitragen und die freundliche Haltung der lokalen Behörden genießen."
Karekin II. erinnert in diesem Zusammenhang auch daran, dass bei Beginn des Konflikts in Bergkarabach "dank der Vermittlung der Patriarchen der russischen Kirche eine Plattform für trilaterale Treffen entstanden war, an der Vertreter der Muslime des Kaukasus und der armenische Patriarch teilnahmen Während dieser Treffen wurde wiederholt angemerkt, dass der Konflikt in Karabach keine religiöse Wurzel hat. Die Notwendigkeit eines friedlichen und harmonischen Zusammenlebens zwischen der christlichen und der muslimischen Bevölkerung unserer Region wurde ebenfalls immer wiederbekräftigt”.
"Heute“, so der armenische Patriarch abschließend, „erleben wir regelmäßig den Wunsch des aserbaidschanischen Präsidenten, dem Konflikt in Karabach einen religiösen Aspekt zuzuschreiben. Dies ist eine Provokation, die leider schreckliche Konsequenzen haben kann.“
(GV) (Fides 9/10/2020)