12.10.2020

Algerien: Aus dem Leben eines Konvertiten

"Papa, warum werfen die Leute Steine nach uns?"

(AKREF) Knapp verfehlt der Stein Simons (Name geändert) Gesicht. Erschrocken hält er die Hand seines Vaters fest, während ein weiterer Stein in ihre Richtung fliegt. Gerade noch rechtzeitig können sich die beiden ducken. Papa eilt mit dem fünfjährigen Jungen nach Hause, aus dem Eisessen wird nichts.  - So lautet ein Bericht von einem Christen aus Algerien, der sich vom Islam abwandte und versucht seinem kleinen Sohn das Geschehen zu erklären. 

Sagenumwobenes Lizenzpapier

Immer wieder erleben Menschen in Algerien, wie Gott übernatürlich durch Träume und Visionen zu ihnen spricht. Gleichzeitig erleben sie Widerstand in ihrer Umgebung. Immer wieder werden Gemeinden – zumindest vorübergehend – geschlossen. Oft wird beispielsweise die «Gebäudesicherheit» vorgeschoben.

Im Jahr 2006 wurde die Verordnung 03-06 eingeführt, die nicht-muslimische Gottesdienste regelt. Verheissen wurde damals, dass dadurch beispielsweise christliche Gottesdienste an bestimmten Orten gestattet und geschützt würden.

Wiederholt haben in diesen bald 15 Jahren christliche Gemeinden nach den versprochenen Dokumenten gefragt, doch diese sagenumwobenen Registrierungspapiere sind bei keiner Führungsebene erhältlich. Im Gegenteil: Keine einzige Lizenz wurde bislang ausgestellt. Sämtliche Anfragen von Kirchen wurden komplett ignoriert. Stattdessen sind in den letzten Jahren nun wieder rund ein Dutzend EPA-Kirchen von der Regierung versiegelt worden.

Kürzlich verabschiedeten die EU-Abgeordneten eine Resolution, in der sie die algerischen Behörden auffordern, geschlossene und versiegelte Kirchen wieder zu öffnen. Für viele Christen in Algerien gilt, dass die Regierung Gebäude schliessen kann … nicht aber Herzen.

Quelle: livenet.ch vom 10.10.20