12.10.2020

Berg-Karabach: Armenien und Aserbaidschan beschließen Waffenruhe

Zuvor hatten auch Kirchenvertreter und Hilfswerke ein Ende der Kämpfe gefordert

Wetzlar (idea) – Im Konflikt um die Region Berg-Karabach haben sich Armenien und Aserbaidschan auf eine Waffenruhe geeinigt. Das teilte Medienberichten zufolge der russische Außenminister Sergej Lawrow mit. Sie solle schon am Nachmittag des 10. Oktober beginnen. Zuvor hatten Kirchenvertreter, Politiker und Hilfswerke ein Ende der Kampfhandlungen um die Region im Kaukasus angemahnt. Dort leben rund 145.000 Menschen, zumeist Christen. Die Region gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan, wird aber seit 1994 von Armenien kontrolliert. Der Konflikt um Berg-Karabach schwelt seit Jahrzehnten. Am 27. September waren zwischen Armenien und Aserbaidschan erneut schwere Kämpfe ausgebrochen. Armenien sprach von 320 in Berg-Karabach getötete Soldaten. Aserbaidschan hat bislang keine Angaben zu eigenen Verlusten gemacht.

Landesbischof July beklagte die Toten

Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July (Stuttgart), hatte sich in einer Erklärung erschüttert über die Kampfhandlungen gezeigt: „Schon wieder sind Tote zu beklagen, auch unter der Zivilbevölkerung.“ Dies und die teilweise Zerstörung der Ghasantschezoz-Kathedrale am 8. Oktober in der Ortschaft Schuschi erfülle ihn „mit Abscheu“.

IGFM kritisierte die Einmischung der Türkei

Ähnlich äußerte sich die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). In einem Brief an den Präsidenten von Aserbaidschan, Ilham Aliyev, und den Präsidenten von Armenien, Vardanovich Sargsyan, forderte sie, alle militärischen Operationen sofort einzustellen und internationale Vermittlungsbemühungen zuzulassen. Sie verwies darauf, dass sie selbst seit fast 30 Jahren in beiden Staaten vertreten ist und dort Projekte zur Stärkung der Zivilgesellschaft durchführt. Scharf kritisierte die IGFM die Einmischung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der dem islamischen Aserbaidschan militärische Unterstützung gegen das mehrheitlich christliche Armenien zugesagt habe.

CSI: Berg-Karabach ist die historische Heimat der christlichen Armenier

Die Menschenrechtsorganisation „Christian Solidarity International“ (CSI/Christliche Solidarität Weltweit) erinnerte daran, dass Berg-Karabach „das historische Heimatland des christlich-armenischen Volkes“ sei. Die Angriffe der Aserbaidschaner würden von der Türkei und Dschihadisten aus Syrien unterstützt. CSI verwies ferner auf den Völkermord an den Armeniern von 1915 bis 1923. Schon damals hätten türkische und aserbaidschanische Streitkräfte versucht, die armenische Bevölkerung auszulöschen.

Stephanuskreis beklagt Angriff auf Kathedrale

Auch der Stephanuskreis in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte die am Konflikt beteiligten Staaten aufgefordert, unverzüglich jeden Angriff einzustellen, der Kirchen oder andere religiöse Stätten zum Ziel hat. Dieses überkonfessionelle Gesprächsforum kümmert sich um die Situation verfolgter Christen in aller Welt. Ihm gehören 80 Abgeordnete an. Der Vorsitzende des Kreises, Heribert Hirte (Köln), bezeichnete den Angriff auf die Ghasantschezoz-Kathedrale als Verbrechen: „Durch solche Angriffe sollen religiöse Spannungen gezielt provoziert werden, um eine weitere Eskalation des Konfliktes in der Region Berg-Karabach herbeizuführen.“

Katholiken helfen 50 vertriebenen Familien

Unterdessen teilte das katholische Hilfswerk Renovabis (Freising bei München) mit, dass rund 50 vertriebene Familien aus Berg-Karabach nahe Gjumri in einer Einrichtung der Caritas Armenien untergebracht werden. Vor allem Frauen und Kinder könnten in einem früheren Sommerferienlager dank Spenden in Höhe von 30.000 Euro aus Deutschland vorerst zwei Monate lang unterkommen.