12.11.2020

Kuba: Behörden lassen Gemeindehaus einer Pfingstkirche abreißen

IGFM: Angeblich stand es dem Bau einer Eisenbahnstrecke im Weg

Frankfurt am Main/Santiago de Cuba (idea) – In Santiago de Cuba, der zweitgrößten Stadt Kubas, haben die Behörden das Gemeindehaus einer Pfingstkirche abreißen lassen. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) mitteilte, handelt es sich um die Kirche „Asambleas de Dios“ (Gemeinde Gottes). Das Gebäude wurde am 30. Oktober zerstört. Der Pastor der Gemeinde, Faustino Palomo Cabrera, der dagegen protestierte, hätten die Behördenvertreter zusammen mit drei weiteren Gemeindemitgliedern acht Stunden lang festgehalten, so die IGFM. Die Sonntagsgottesdienste der Gemeinde zählten rund 100 Besucher. Auf dem Kirchengrundstück soll laut Behörden eine Eisenbahnstrecke für Transporte zu einer Zementfabrik gebaut werden. Von den Abrissarbeiten sei jedoch nur das Kirchengebäude betroffen. Häuser in der Nachbarschaft und das Pastorenwohnhaus auf dem Gemeindegrundstück seien nicht eingeebnet worden. Die Gemeinde hatte ihre Versammlungsstätte seit zehn Jahren genutzt. Nach dem Abriss sei ihr kein neues Kirchengebäude in Aussicht gestellt worden, so die IGFM.

Pastor von der Staatssicherheit bedroht

Pastor Cabrera sei stattdessen am 2. November von der kubanischen Staatssicherheit bedroht worden. Sie habe ihn aufgefordert, gemeinsam mit dem Regionalleiter der Pfingstbewegung, José Martínez, ein Dokument zu unterzeichnen, das zukünftige Bauten auf dem Grundstück untersagt und den Abriss der Kirche nachträglich legitimieren soll. Der IGFM zufolge haben die beiden bislang nicht unterschrieben. Auf Kuba sind 60 Prozent der rund elf Millionen Einwohner Katholiken. Der Anteil der Protestanten liegt nach Schätzungen bei fünf Prozent.

Evangelikale Gemeinden sind der Regierung ein Dorn im Auge

IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin sagte dazu der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Die vor allem im Osten Kubas wachsenden evangelikalen Gemeinden sind dem kubanischen Regime ein Dorn im Auge. Vielen Gemeinden wird sogar eine Registrierung verwehrt.“ Damit seien sie „illegal“. Die „Asambleas de Dios“ gehöre jedoch zu den registrierten evangelischen Gemeinden auf Kuba. Neben den Hinweis auf die noch zu bauende Eisenbahnstrecke hätten die Behörden den Abriss damit begründet, dass für das Gemeindehaus eine Baugenehmigung fehle. Auf Kuba sind 60 Prozent der rund elf Millionen Einwohner Katholiken und fünf Prozent sind Schätzungen zufolge Protestanten.