13.07.2020

Deutschland: Christliche Familie aus dem Iran soll abgeschoben werden

Ihr droht Verfolgung – Pietisten setzen sich für die Betroffenen ein

Weingarten (idea) – Pietisten in Baden setzen sich für zwei christliche Konvertiten ein, denen die Abschiebung in den Iran droht. Das Ehepaar Gerd und Beate Zimmermann – es gehört zur (pietistischen) Liebenzeller Gemeinschaft Weingarten (bei Karlsruhe) – kümmert sich um die beiden christlichen Konvertiten Mohammad Maghsoudi und Fatemeh Roumi, die als Flüchtlinge nach Weingarten gekommen sind und dort mit ihrem dreijährigen Sohn Sam und der einjährigen Tochter Selina wohnen. Die Eheleute müssen mit schweren Repressalien rechnen, sollten sie in ihre Heimat zurückkehren. Gerd und Beate Zimmermann haben eine Petition initiiert, die ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht für die beiden fordert. Sie wurde mittlerweile von 1.362 Personen (Stand: 13. Juli) unterschrieben. Gerd Zimmermann sagte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass er nicht verstehen könne, „weshalb zwei vorbildlich integrierte Menschen, die selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen und dem Staat nicht auf der Tasche liegen“, abgeschoben werden sollen. Der 40-jährige Maghsoudi war 2015 über den Landweg nach Deutschland gekommen, seine heute 30 Jahre alte Frau folgte ihm erst ein Jahr später, weil sie aus gesundheitlichen Gründen den beschwerlichen Fußweg über die Grenze zur Türkei nicht antreten konnte. In Weingarten stellten sie einen Antrag auf Asyl. Normalerweise hätten sie gute Chancen auf Anerkennung, doch ein Vorfall im Jahr 2016 sollte schwerwiegende Folgen haben. Zimmermann: „Mohammad war damals in eine Straftat verwickelt. Er hat zwar nicht mit böser Absicht gehandelt, hat sich aber dazu missbrauchen lassen, an einem Drogendelikt mitzuwirken, weil er einem Freund noch einen Gefallen schuldete.“ Maghsoudi habe eine Haftstrafe antreten müssen, aus der er wegen guter Führung Anfang 2018 wieder entlassen worden sei. Er bereue sein Verhalten zutiefst.

Ablehnung durch das BAMF

Roumi wurde bereits im November 2016 vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) angehört, Maghsoudi im Juli 2017. Sie berichteten von ihrem christlichen Glauben, doch wegen der Verurteilung Maghsoudis wurden beide Asylverfahren negativ bewertet. Die beiden klagten vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe. An der Verhandlung am 4. März 2020 nahmen Familie Zimmermann und weitere Freunde aus der Liebenzeller Gemeinschaft Weingarten, auch Pastor Samuil Rabrovaliev, teil. Doch die zuständige Richterin habe sämtliche Aussagen als unglaubwürdig betrachtet, so Zimmermann. Er und seine Frau reichten für Roumi daraufhin eine Eingabe bei der Härtefallkommission Baden-Württemberg ein und sandten dazu 28 Stellungnahmen von Familien und Einzelpersonen ein, die sich für einen Verbleib der iranischen Familie aussprachen. Mohammad Maghsoudi habe jedoch inzwischen den Abschiebebescheid erhalten. Man müsse nun jeden Tag mit seiner Ausweisung rechnen.

Bedrohung im Herkunftsland

Wenn Roumi ihren Ehemann begleiten sollte, sei auch ihr Leben gefährdet. „Fatemeh ist im Iran bereits siebenmal verhaftet und im Gefängnis misshandelt worden.“ Momentan absolviert sie noch eine Ausbildung als Altenpflegerin im Karlsruher Diakonissenkrankenhaus Rüppurr, während ihr Ehemann eine Anstellung als Koch erhalten hat. Familie Zimmermann hat die beiden über das zum CVJM gehörende „Café International“ in Weingarten kennengelernt. Es entwickelte sich eine innige Freundschaft. „Der Sohn Sam ist zeitweise bei uns aufgewachsen. Seine Eltern nennen uns Mama und Papa und die Kinder Oma und Opa“, so Zimmermann. Alle vier Familienmitglieder sind inzwischen getauft und Mitglieder der Evangelischen Landeskirche in Baden. In ihrer Wohnung trifft sich regelmäßig ein Hauskreis.