13.11.2020

Indien: Christ bei Anschlag auf Gebetstreffen ermordet

Empfänger von Nothilfe berichten von systematischer Benachteiligung für Christen

(Open Doors, Kelkheim) – In der nordindischen Stadt Amritsar verübten Bewaffnete am 23. Oktober einen tödlichen Angriff auf mehrere Christen. Dabei wurde der 35-jährige Prince Atwal erschossen, drei weitere Personen wurden verletzt. Schauplatz des Übergriffes war eine Kirche, in der kurz zuvor ein Gebetstreffen stattgefunden hatte. Unterdessen hat eine Befragung von Hilfeempfängern verdeutlicht, in welchem Maß Christen bei öffentlichen Hilfsmaßnahmen übergangen werden.

Vorwurf: Zwangsbekehrung 
Amritsar liegt im Bundesstaat Punjab in der Nähe der Grenze zu Pakistan. Als die Besucher des Gebetstreffens gerade dabei waren die Kirche zu verlassen, drangen fünf der sieben Angreifer in das Gebäude ein. Wie lokale Christen der Nachrichtenagentur UCAN berichteten, begannen sie, auf die Beter zu schießen. Draußen warteten zwei Komplizen bei den Fahrzeugen mit laufendem Motor auf die Schützen.
Prince Atwal, 35, wurde in die Brust und in den Kopf getroffen und starb am Tatort. Es schien, dass er das Hauptziel des Angriffs war, sagte sein Cousin Jaspal Masih. Atwal hatte zuvor eine Auseinandersetzung mit dem Anführer der Bande, Randeep Gill, gehabt, berichtete Masih der UCAN. „Gill versuchte damals, eine andere Gebetsversammlung zu sprengen, wobei er die Christen beschuldigte, Menschen zur Bekehrung verführt zu haben“, sagte er. „Die Christen hier sind verängstigt und wütend.“ Die Polizei hat im Zusammenhang mit dem Angriff drei Personen festgenommen, die übrigen vier sind auf der Flucht.
Punjab zählt nicht zu den acht Bundesstaaten, in denen Anti-Bekehrungsgesetze Zwangsbekehrungen unter Strafe stellen. In diesen Staaten dienen die Gesetze häufig als Vorwand, um Christen und andere religiöse Minderheiten unter Druck zu setzen.
80 % der befragten Christen bei Hilfsgüterverteilung abgewiesen 

Eine Auswertung der Übergriffe, bei denen Open Doors Berichte aus erster Hand vorliegen, hat gezeigt: In der ersten Hälfte dieses Jahres 2020 wurden in Indien 349 Übergriffe auf Christen gemeldet, bei denen 5.559 Personen betroffen waren. Viele Vorfälle werden jedoch nicht gemeldet, und die Dunkelziffer dürfte während der Covid-19-Pandemie sogar noch ausgeprägter sein als in anderen Jahren. Dramatisch zugenommen hat die Diskriminierung von Christen im Bereich der Verteilung von Hilfsgütern. „Von den mehr als 100.000 Christen, die durch lokale Partner mit Covid-19-Hilfe versorgt wurden, berichteten erschütternde 80 %, dass die Regierung oder lokale Dorfbewohner Christen von den Ausgabestellen weggeschickt haben – selbst wenn sie Lebensmittelkarten hatten“, so ein für die Region Südasien zuständiger Sprecher von Open Doors. Etwa 15 % der befragten Personen gaben an, dass sie zwar Nahrungsmittelhilfe erhalten hätten, gleichzeitig jedoch in anderer Form diskriminiert worden seien; so seien ihnen z. B. Jobs als Tagelöhner bei staatlichen Stellen wegen ihres Glaubens verweigert worden.
Auf dem Weltverfolgungsindex 2020 steht Indien an 10. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
Quelle: UCAN, Open Doors
Die PDF-Version dieser Open Doors Nachrichten finden Sie hier.