14.01.2020

Deutschland: Israelbezogener Antisemitismus

gibt es auch in kirchlichen Gruppen. Vizepräsident des Zentralrats der Juden fordert Debatte über Boykottbewegung

Bad Neuenahr (idea) – In Deutschland breitet sich auch in kirchlichen Gruppen ein israelbezogener Antisemitismus aus. Diese Ansicht vertrat der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer (Köln), am 13. Januar vor der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bad Neuenahr. Es sei „eigentlich gar nicht so schwer zu unterscheiden, was noch legitime Kritik an Israel ist und was Antisemitismus“, sagte Lehrer in einem Grußwort. „Wenn jemand eine Entscheidung der israelischen Regierung aus sachlichen Gründen kritisiert – warum nicht? Wenn jemand einen Missstand in Israel kritisiert – warum nicht?“ Oft würden aber in Medienberichten und Äußerungen von Privatpersonen an Israel andere Maßstäbe angelegt als an andere Staaten. So würden oft Menschenrechtsverletzungen von israelischer Seite kritisiert, aber kaum jemals solche Missstände in den palästinensischen Autonomiegebieten. Die Grenze zum Antisemitismus sei überschritten, wenn der jüdische Staat dämonisiert und sein Existenzrecht infrage gestellt werde. Das tue etwa die internationale Organisation BDS (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen). Sie setzt sich seit 2005 dafür ein, den internationalen Einfluss Israels einzudämmen und auch Waren aus Israel zu boykottieren. Die jüdische Gemeinschaft erwarte von Vertretern der Kirche „eine hohe Sensibilität gegenüber dem jüdischen Staat und als Grundeinstellung: Solidarität und Zuwendung“, sagte Lehrer. Deswegen sei eine „vertiefte Debatte“ innerhalb der evangelischen Kirche über ihr Verhältnis zur BDS-Bewegung nötig. Dies gelte umso mehr, als der Nahostkonflikt durch die verstärkte Zuwanderung von Muslimen zunehmend in die deutsche Gesellschaft hineingetragen werde.