14.01.2020

Deutschland: "Schweigen der Kirchen zur Christenverfolgung dramatisch"

Professorin Schröter kritisiert Schwachstellen im christlich-muslimischen Dialog

Frankfurt am Main/Hannover (idea) – Wenn es um verfolgte Christen in muslimischen Ländern geht, zeigen die Kirchen zu wenig Einsatz. Diese Kritik äußerte die Ethnologin und Islamforscherin Prof. Susanne Schröter (Frankfurt am Main). Wie sie in einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte, ist das Schweigen der Kirchen in dieser Frage „wirklich dramatisch“. Demnach erhöben die Kirchen immer ihre Stimme, wenn Muslimen Unrecht geschieht – und das sei auch richtig. „Aber mittlerweile werden Christen mit Gewalt aus orientalischen Ländern vertrieben – und übrigens auch Juden – und dazu schweigt man“, so die Professorin. Ferner benannte Schröter Schwachstellen im Auftreten der Kirchen im christlich-muslimischen Dialog. Demnach akzeptierten sie bei Verbänden wie Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) oder der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) „Gesprächspartner, die von ausländischen Organisationen oder gar Regierungen gesteuert werden“. Weiterhin sei gegen Gespräche mit den Islamverbänden grundsätzlich nichts einzuwenden, „wenn richtige Debatten geführt würden“. Vielmehr ließen sich die Kirchen jedoch „von diesen Islamvertretern auch noch die Agenda diktieren“. Schröter ist Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität. 2019 erschien ihr Buch „Politischer Islam – Stresstest für Deutschland“ (Gütersloher Verlagshaus).

EKD verweist auf weltweiten Einsatz für verfolgte und bedrängte Christen

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD/Hannover) wies die Vorwürfe auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea zurück. Demnach sehe sie sich in der Verantwortung, der Diskriminierung von religiösen Gemeinschaften und Gruppierungen entgegenzuwirken. „In ihren internationalen Bezügen setzt sie sich weltweit für verfolgte und bedrängte Christen ein“, so eine Sprecherin. Das Engagement umfasse dabei konkrete Hilfe und politische Gespräche ebenso wie Gebet und gelte dabei allen Menschen, die aufgrund ihrer religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen verfolgt würden. Konkret verwies die Sprecherin zudem auf den Sonntag Reminiszere, dem jeweils zweiten Sonntag in der Passionszeit, mit dem seit 2010 auf die Leidenserfahrungen von bedrängten und verfolgten Christinnen und Christen weltweit aufmerksam gemacht werden soll. „Außerdem gibt die EKD zusammen mit der Deutschen Bischofskonferenz den Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit heraus, der die Situation weltweit in den Blick nimmt.“ Zum christlich-muslimischen Dialog heißt es, die Kirche setze sich für die religiöse Vielfalt in Deutschland und für den Dialog Muslimen ein. „Dabei übersehen wir weder die positiven Erfahrungen noch auch negative Entwicklungen, wie etwa politische Entwicklungen im Ausland, die einen Einfluss auf die Dialogsituation in Deutschland haben können.“ Eine Verbindung von Religion und Gewalt, die sich im religiösen Fundamentalismus und dem sogenannten islamistischen Extremismus zeige, werde mit großer Sorge wahrgenommen. „Sie ist mit unserem Religionsverständnis unvereinbar.“