14.01.2020

Niederlande: Kirchenschließungen führen auch zu Austritten

"Dörfer kommen gut ohne Kirche aus" - Katholische Wochenzeitung:

's-Hertogenbosch (idea) – Ein Dorf in den Niederlanden kann sehr gut ohne Kirche auskommen. Das ergab eine Studie der niederländischen katholischen Wochenzeitschrift „Katholiek Nieuwsblad“ ('s-Hertogenbosch). Wie Chefredakteur Anton de Witt in der ersten Ausgabe 2020 schreibt, hat die Studie zu einer „eher unangenehmen Schlussfolgerung“ für die Gemeinschaft der Gläubigen geführt: „Die Kirche ist für die Dorfgemeinschaft überhaupt nicht so wichtig, wie wir uns dies ursprünglich vorgestellt und erhofft hatten.“ Im Rahmen der Untersuchung hatten die Redakteure der Zeitschrift ein Jahr lang mit Wissenschaftlern, Kirchenvertretern, Dorfbewohnern und anderen Experten über Kirchenschließungen gesprochen. Ihren Ergebnissen zufolge werden viele Funktionen, die eine Kirchengemeinde früher hatte, heute „überraschend mühelos und geräuschlos“ von anderen Organisationen, etwa Vereinen, übernommen. Zugleich sei die Bereitschaft der Menschen, einen Gottesdienst in einer anderen Kirche im Nachbardorf zu besuchen, „erschreckend gering“. Zahlen für die Aussagen werden nicht genannt. Wenn eine Kirche geschlossen werde, entschieden sich viele Einwohner, auch aus der Kirche auszutreten. De Witt: „Die Kirche muss sorgfältig darüber nachdenken, wie sie das Evangelium in Zeiten, in denen viele Kirchentüren geschlossen werden müssen, weitersagen kann.“ Wie de Witt weiter schreibt, waren die vergangenen zehn Jahre geprägt von Abriss und Umwidmung kirchlicher Gebäude. Dieser Trend werde unvermindert anhalten.

In neun Jahren 1.400 Kirchen umfunktioniert

Zwischen 2010 und 2019 wurden nach niederländischen Medienberichten 1.400 von 6.900 Kirchen umfunktioniert – etwa zu kommunalen Gemeindezentren, Museen, Theatern, Büro- und Geschäftsräumen sowie Wohnungen. Auch der Professor für Kirchen- und Theologiegeschichte an der Universität Tilburg, Paul van Geest, hält Kirchenschließungen dem Bericht zufolge für unvermeidlich. Längst sei die Kirche in der niederländischen Gesellschaft kein verbindlicher Faktor mehr.

Hausbesuche machen

Für eine Kirche „mit einer neuen Perspektive“ plädiert der Professor für Kirchenrecht an der Katholischen Universität von Leuven (Belgien), Rik Torfs. Man müsse auf die Menschen zugehen. Er verweist auf die Erfahrungen eines Pastors, der damit begonnen habe, Hausbesuche zu machen, „die dort völlig aus der Mode gekommen waren“. Leute, die zuvor gesagt hätten, sie brauchten ihn und die Kirche nicht, hätten anschließend mit ihm ein dreistündiges Gespräch geführt. Torfs ist zuversichtlich, dass die christliche Botschaft so stark sei, „dass sie irgendwann wieder mehr Aufmerksamkeit erhalten wird“.

Niederlande: Jeder Zweite gehört keiner Kirche an

Nach Angaben des niederländischen Zentrums für angewandte Religionsforschung Kaski (Nijmegen) ist die Zahl der Katholiken in den vergangenen 15 Jahren um 20 Prozent auf 3,7 Millionen zurückgegangen. Doch zugleich sei in diesem Zeitraum die Zahl der katholischen Kirchgänger um 60 Prozent und der Gemeinden um 55 Prozent gesunken. Weniger als fünf Prozent der Katholiken in den Niederlanden besuchten regelmäßig die Messe. 51 Prozent der 17,2 Millionen Einwohner des Landes gehören keiner Religionsgemeinschaft an. 24 Prozent sind römisch-katholisch, 15 Prozent evangelisch, fünf Prozent muslimisch und weitere sechs Prozent sind Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften.