14.10.2020

Zentralasien: Neun Mal vertrieben

Trotz vieler Widerstände erzählt ein Ehepaar weiter mutig von Jesus. „Mein Haus ist wie eine Arche“

(Open Doors, Kelkheim) – „Man könnte ein Buch über mein Leben schreiben“, sagt Nailya* strahlend. Die Christin muslimischer Herkunft erzählt gerne davon, wie Jesus ihr Leben verändert hat. Aufgewachsen in einem Dorf in Zentralasien, hatte sie schon als kleines Mädchen begonnen, nach Gott zu suchen. Jahrelang blieb ihre Sehnsucht unerfüllt, obwohl sie überzeugt war, dass der Islam die wahre Religion sei.

In der Krise zu Jesus gefunden

Nach der Scheidung von ihrem Mann Suhrob* zog Nailya mit den beiden Söhnen zu ihren Eltern – die Ehe war von Anfang an von Suhrobs Drogensucht überschattet gewesen. In dieser schwierigen Zeit fühlte Nailya plötzlich den seltsamen Wunsch, eine Christin in ihrem Dorf zu besuchen. „Ich hatte gehört, dass Samira* und ihr Mann Christen geworden waren. In meinem Herzen hasste ich die beiden, weil sie den Islam verraten hatten. Deshalb wollte ich eigentlich nicht hingehen, aber aus irgendeinem Grund spürte ich, dass ich es tun sollte.“ Nailya war überwältigt von der Atmosphäre und dem von Liebe geprägten Umgang im Haus von Samiras Familie. „Ich war schockiert. Etwas berührte mich sehr tief. Sobald Samira und ihr Mann mir das Evangelium erklärten, spürte ich, dass es etwas war, das ich brauchte. Ich verstand nicht alles, aber ich wusste, ich musste Jesus annehmen.“ Nailya wurde Teil von Samiras Hauskirche. Sie begann mit anderen Christinnen für ihren Mann zu beten – und eines Tages stand Suhrob vor der Tür ihres Elternhauses. Die wiedervereinte Familie zog in eine Stadt um, wo Nailya eine Hausgemeinde fand. Suhrob kam mit zu den Treffen und entschied sich schließlich ebenfalls Jesus nachzufolgen.

Neun Mal vertrieben

Suhrob arbeitete als Barbier und erzählte seinen Kunden mutig von Jesus. Bald schon stieß er deshalb auf heftigen Widerstand. „Unsere Vermieter setzten uns vor die Tür. Wir mieteten ein anderes Haus und wurden dort wieder hinausgeworfen. Das geschah wieder und wieder“, berichtet Suhrob. „Eines Tages erklärte ich einigen Männern das Evangelium, die daraufhin zu einer Gruppe von Muslimen gingen. Nach dem islamischen Gebet kam ein Mob zum Salon, um mich zu schlagen. Und wieder wurden wir aus dem Haus geworfen und ich verlor meine Arbeit.“ Insgesamt neun Mal musste die Familie umziehen und einen neuen Arbeitsplatz finden.

Schließlich kehrten sie wieder in ihr Heimatdorf zurück. Willkommen waren sie nicht: Die anderen Dorfbewohner setzten die Familie unter Druck, weil sie den Islam verlassen hatte. Nachdem Suhrob und Nailya im Laufe der Jahre Hauskirchen in verschiedenen Dörfern der Region gegründet hatten, zeigte sich in ihrem Heimatdorf neun Jahre lang niemand offen für das Evangelium. „Es gibt immer noch Verfolgung und Druck durch die islamischen Führer und die Behörden des Dorfes“, sagt Nailya. „Aber nun haben viele Leute ihre Einstellung zu uns geändert. In den letzten beiden Jahren kamen in unserem Haus vier Menschen aus der Nachbarschaft zum Glauben an Jesus.“ Inzwischen wird das Haus von Nailya und Suhrob immer wieder von Menschen aufgesucht, die Hilfe und Rat suchen. „Mein Haus ist wie eine Arche“, sagt Nailya. „Jeder, der zu uns kommt, bekommt Unterstützung durch Gebet. Und wenn sie das Evangelium noch nicht kennen, hören sie von Jesus und finden Rettung.“

Christen muslimischer Herkunft wie Nailya und Suhrob stehen in allen Ländern Zentralasiens unter Druck. Auf dem Weltverfolgungsindex 2020 belegt Usbekistan Rang 18, Turkmenistan Rang 22, Tadschikistan Rang 31 und Kasachstan Rang 35. Nur Kirgisistan (Rang 55) ist nicht unter den 50 Ländern vertreten, in denen Christen die stärkste Verfolgung erfahren. Bitte beten Sie für die Christen in diesen Ländern!

*Name geändert

 

Bitte beten Sie für die Christen in Zentralasien:

  • Danken Sie für Gottes Wirken im Leben von Nailya und Suhrob und für die Menschen, die durch sie zum Glauben an Jesus fanden.
  • Beten Sie um Mut und Zuversicht für die Christen angesichts von Überwachung durch die Behörden und Ausgrenzung durch das Umfeld.
  • Beten Sie um Gottes Versorgung inmitten der Corona-Krise: Christen muslimischer Herkunft werden immer wieder durch ihre Verwandten und das Umfeld von Hilfe ausgeschlossen.