15.02.2021

Pakistan: Zwei christliche Evangelisten wegen Blasphemie angeklagt

Zwei christlichen Männern in Pakistan droht wegen religiöser Diskussion die Hinrichtung

Washington D.C. International Christian Concern (ICC) 15.02.2021  - International Christian Concern hat erfahren, dass zwei christliche Evangelisten angeklagt sind, gegen das berüchtigte pakistanische Blasphemiegesetz verstoßen zu haben, und dass ihnen im Falle eines Schuldspruchs die gesetzlich vorgeschriebene Todesstrafe drohen könnte. Den beiden Christen wird vorgeworfen, sich bei einer Predigt in Lahore abfällig über den Islam und den Koran geäußert und die religiösen Gefühle eines Muslims verletzt zu haben. 

Am 13. Februar predigten Berichten zufolge die zwei christlichen Evangelisten Haroon Ayub Masih und Salamat Mansha Masih im Model Town Park in Lahore. Während sie predigten, trafen die beiden Christen auf Haroon Ahmad, einen Muslim, und einige von Ahmads Freunden.

Laut dem ersten Informationsbericht (FIR # 61/21) gaben die beiden Christen Ahmad ein christliches Buch mit dem Titel "Wasser des Lebens" und begannen, über die Göttlichkeit der Propheten und Jesus Christus zu diskutieren. Diese Diskussion mit Ahmad entwickelte sich zu einem Streit, der damit endete, dass Ahmad die Christen beschuldigte, sich abfällig über den Islam zu äußern. 

Die Polizei hat die beiden Christen angeklagt, gemäß den Paragraphen 295-A, 295-B und 295-C des pakistanischen Strafgesetzbuches blasphemisch gehandelt zu haben. Wenn sie für schuldig befunden werden, könnte den beiden Christen die Hinrichtung drohen, da Abschnitt 295-C eine zwingende Todesstrafe vorsieht.

In Pakistan sind falsche Anschuldigungen wegen Blasphemie weit verbreitet und oft durch persönliche Rachegefühle oder religiösen Hass motiviert. Anschuldigungen sind aufhetzerisch und haben das Potenzial, Lynchjustiz, Selbstjustizmorde und Massenproteste auszulösen.

Seit Pakistan 1987 die Paragrafen 295-B und 295-C zu den Blasphemiegesetzen des Landes hinzugefügt hat, ist die Zahl der Blasphemievorwürfe sprunghaft angestiegen. Zwischen 1987 und 2017 wurden in Pakistan 1.534 Personen wegen Blasphemie angeklagt. Von diesen 1.534 waren 829 Anschuldigungen (54 %) gegen religiöse Minderheiten gerichtet. Bei einem Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung Pakistans von nur 1,6 % sind die 238 Anschuldigungen (15,5 %) gegen Christen unverhältnismäßig viel.

Derzeit befinden sich in Pakistan 24 Christen aufgrund von Blasphemie-Anklagen im Gefängnis. Diese 24 Christen sind Beschuldigte in 21 Blasphemie-Prozessen, die in verschiedenen Instanzen des pakistanischen Justizwesens geführt werden.

Der Regionalleiter von ICC, William Stark, sagte: "Wir hier bei International Christian Concern sind besorgt um die Sicherheit von Haroon Ayub Masih und Salamat Mansha Masih. Wir sind auch besorgt um die Sicherheit der weiteren Gemeinschaft, die diese Männer repräsentieren. In vielen Fällen reicht der bloße Vorwurf der Blasphemie gegen einen Christen aus, um in Pakistan die Gewalt des Mobs zu entfachen. Diese Gewalt ist oft nicht auf die Beschuldigten beschränkt. Es gibt viele Beispiele, in denen aufgrund eines Blasphemievorwurfs Gewalt gegen eine ganze christliche Gemeinschaft ausgebrochen ist. Wir fordern eine vollständige und faire Untersuchung der Anschuldigung gegen Haroon und Salamat. Zu oft werden die pakistanischen Blasphemiegesetze missbraucht, um Mobgewalt zu rechtfertigen oder persönliche Rachegelüste zu befriedigen. Zu oft sind diese Gesetze ein Werkzeug in den Händen von Extremisten gewesen, die religiös motivierte Gewalt gegen Minderheitengemeinschaften schüren wollen."

Quelle: International Christian Concern; www.persecution.org

Aus dem Englischen übersetzt und überarbeitet von AKREF