15.09.2020

Nigeria: Auf gefährlicher Mission

Ein Pastor erzählt

( HMK) Ishaku Manawa arbeitet als Pfarrer in einer für Christen sehr gefährlichen Gegend: In Adamawa, einem Bundesstaat im Nordosten Nigerias. Zu Spitzenzeiten des Terrors von Boko Haram befanden sich hier ganze Landstriche unter islamistischer Kontrolle. Sie hatten zeitweise sogar Mubi und Yola, zwei große Städte des Bundesstaates, eingenommen.

Regierungstruppen befreiten die Gegend zwar im Jahr 2015, doch die Gewalt gegen Christen hält weiter an. Boko Haram gewinnt erneut an Kraft, während zudem islamistische Hirten aus dem Fulani-Stamm  christliche Dörfer ungestraft angreifen. Und das ist auch der Grund dafür, warum Ishaku hier seinen Dienst tut: „Ich will dorthin gehen, wo es den Menschen schlecht geht oder sie noch nie etwas von Jesus gehört haben“, sagt er.

Ishakus Familie lebt zurzeit in Mubi, aber drei bis vier Tage die Woche fährt er über Nacht in die umliegenden Dörfer, um den Gläubigen dort beizustehen. Er weiß, dass er damit jedes Mal sein Leben riskiert. Und der Schmerz, enge Freunde zu verlieren, ist Ishaku nur allzu vertraut. Er schätzt, dass islamistische Terroristen etwa 50 Menschen umgebracht haben, um die er sich gekümmert hat, allein 37 davon gehörten zu einer Gemeinde, die er leitet. Seine Trauer wird meist etwas abgemildert durch das Wissen, dass es Menschen waren, die eng mit Jesus verbunden waren. „Aber bei anderen macht mir ihr Tod wirklich sehr zu schaffen“, erklärt er. „Weil sie nicht so fest im Glauben standen.“

Ishaku konnte sogar miterleben, dass Mitglieder von Boko Haram Christen wurden – wie beispielsweise ein 17-jähriges Mädchen. „Als sie die Gute Nachricht von Jesus hörte, kehrte sie um. Auch wenn ihr Vater nicht begeistert davon ist, es war ihre Entscheidung“, erzählt er. Damit sie in ihrer Beziehung zu Jesus wachsen kann, half Ishaku ihr, zu einer christlichen Frau in einen anderen Bundesstaat zu ziehen.

Als 2014 Hunderttausende von Boko Haram vertrieben wurden, gründete er eine Gemeinde unter den Flüchtlingen jenseits der Grenze in Kamerun. Kürzlich brachte er Bauern aus Adamawa, die vor islamistischen Fulani-Kämpfern geflohen waren, Lebensmittel. „Wo auch immer es nötig ist, gehe ich hin und ermutige die Christen“, erklärt er. „Und ich kümmere mich darum, dass sie einen Ort finden, an dem sie gemeinsam Gottesdienst feiern können – selbst wenn es unter einem Baum ist. Ich besuche sie regelmäßig und bete mit ihnen.“

Obwohl seine Arbeit von ihm verlangt, dass er viel Zeit getrennt von seiner Familie verbringt, unterstützen ihn seine Frau und seine sieben Kinder. „Meine Frau spornt mich immer wieder an“, erklärt er. „Jedes Mal, wenn ich von Menschen in Not höre, sagt sie mir, dass ich mich zu ihnen auf den Weg machen soll.“ Seine älteste Tochter begleitet ihn sogar gelegentlich auf seinen Reisen.

Ishaku glaubt, dass er dazu berufen ist, diese gefährliche Arbeit zu tun. Als „normaler“ Pastor wäre er nicht glücklich. „Ich kann nicht einfach nur herumsitzen und mich amüsieren“, erklärt er. Er spürt, wie Gott ihn für diese besondere Aufgabe ausrüstet. So, wie andere Christen dazu befähigt werden, ihre jeweilige Aufgabe im Leib Christi auszufüllen – zum Beispiel für Ishaku zu beten.