16.07.2020

Deutschland: Aus religiösen Gründen

Uni ermöglicht Verschiebung von Prüfungen - betrifft vor allem orthodoxe Juden

Bochum (idea) – An der Ruhr-Universität Bochum sollen Prüfungstermine in Zukunft nicht mehr mit religiösen Arbeitsverboten oder hohen Feiertagen kollidieren. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor, die auf der Internetseite der Universität veröffentlicht wurde. Darin heißt es, der Senat habe einstimmig einen entsprechenden Beschluss gefasst, „um die Religionsfreiheit aller Universitätsangehörigen zu gewährleisten“. Die Regelung betreffe vor allem orthodoxe Juden wegen des Schreibverbots am Sabbat, erklärte die Initiatorin des Beschlusses, die evangelische Theologieprofessorin Isolde Karle. Wenn eine Prüfung aus Termingründen nicht verlegt werden könne, müsse demnach für Betroffene ein „zeitnaher Ersatztermin“ festgelegt werden. Christen seien nicht betroffen, da ihre Feiertage ohnehin gesetzlich geschützt seien. Auch für Muslime gebe es keine strikten religiösen Arbeitsverbote. Denkbar sei aber, auf Ramadan- oder Opferfest Rücksicht zu nehmen. Es sei wahrscheinlich, dass nur sehr wenige Studenten überhaupt Gebrauch von der Regelung machen werden, so Karle. Weiter heißt es in der Mitteilung, die Initiative zu dem Beschluss gehe auf eine Veranstaltung mit dem Antisemitismus-Beauftragten des Landes Baden-Württemberg, Michael Blume, im Dezember 2019 an der Ruhr-Universität zurück. Vor dem Hintergrund zunehmender Diskriminierung und Gewalt gegenüber Juden in Deutschland habe sich in der Diskussion danach die Frage gestellt, wie die Hochschule ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus setzen könne.