16.07.2020

Nigeria: „Wir leben immer noch – es ist ein Wunder!“

Der Ehemann ermordet, von den Schwiegereltern beschuldigt, von Gott getröstet und versorgt

(Open Doors, Kelkheim) – Am Morgen des 7. April verabschiedete sich Rose in bester Stimmung von ihrem Mann Matthew. In ihrem Bauch wuchs das dritte gemeinsame Kind heran, und sie musste zur nächsten Vorsorgeuntersuchung ins Krankenhaus. Sie ahnte nicht, dass sie Matthew nie mehr lebendig wiedersehen würde. Seitdem hat Rose viel verkraften müssen. Doch sie bezeugt: „Er, der über die Witwen wacht, schläft und schlummert nicht!“

Plötzlich ganz allein und mittellos

Nbra Zongo ist ein kleines, abgelegenes Dorf im zentralnigerianischen Bundesstaat Plateau. Nach seiner Ausbildung zum Pastor wurde Matthew zusammen mit seiner Frau und den beiden Töchtern Esther und Joy dorthin entsandt. Die Gegend war zu der Zeit bereits häufig Schauplatz von Angriffen durch umherziehende Viehhirten vom Volk der Fulani. Am Abend des 7. April war Matthew an der Reihe mit dem Patrouillengang, den Männer aus dem Dorf abwechselnd übernahmen, um im Fall eines drohenden Angriffes die anderen warnen zu können. Er war bereits auf dem Rückweg nach Hause, als er erschossen wurde. Nach ihrer Rückkehr am nächsten Morgen bestand Rose darauf, sich von ihrem verstorbenen Mann zu verabschieden. „Ich nahm meinen Mut zusammen und umarmte ihn. Ich flüsterte ihm ein Gebet zu, und dann mussten wir den Ort verlassen. Ich hielt meine Töchter fest und weinte.“

Das Leben für Witwen in Nigeria kann sehr hart sein. Obwohl die Kultur vorsieht, dass die Familie des verstorbenen Ehemannes sich um die Witwe und die Kinder kümmert, geschieht dies in der Praxis oft nicht. So war es auch bei Rose. Und nicht nur das: Ihre Schwiegereltern beschuldigten sie, an Matthews Tod mitschuldig zu sein. Schließlich habe sie ihn geheiratet und ihn dann an seinem Todestag allein gelassen! Sie kamen zum Haus und beschlagnahmten den größten Teil des Viehs, der Lebensmittelvorräte und alles andere von Wert. Rose und die Kinder blieben mit leeren Händen zurück.

Getragen durch Gottes Wort

Zu diesem Zeitpunkt kündigte die nigerianische Regierung Ausgangssperren an, um die Covid-19-Pandemie einzudämmen. Das Überleben wurde für Rose und ihre beiden Mädchen noch schwieriger. „Wir hatten kein Geld, um Lebensmittel zu kaufen. Da gerade Mangosaison war, ernährten wir uns von Mangos, aber die Saison ist jetzt zu Ende. Manchmal gingen wir ohne Essen schlafen. Ich vertraute allein auf Gott, der mir beisteht. Und heute leben wir immer noch. Es ist ein Wunder.“

Dann kündigte die Regierung Hilfe für die Bevölkerung an und Rose schöpfte neue Hoffnung. Doch oftmals gehen Christen bei diesen Aktionen leer aus. Rose berichtet: „Wir bekamen nichts von diesem Essen. All unsere Hoffnungen wurden enttäuscht. Ich hatte keine andere Wahl, als die Nahrungsmittel, die wir besaßen, zu rationieren, bis Hilfe kam.“

In dieser Zeit meditierte Rose immer wieder über Psalm 119,11 – „In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht gegen dich sündige.“ Sie sagt: „Wann immer ich diesen Psalm lese, fühle ich mich inmitten der Situation, in der ich mich befinde, so ermutigt.“

Inzwischen hat Rose noch ein kleines Mädchen zur Welt gebracht. Die vier gehören zu den Tausenden Christen in der Region, die Open Doors dank zahlreicher Unterstützer mit Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln, Beihilfe zur Miete und geistlicher Ermutigung versorgen kann.

     

    Bitte beten Sie für Rose und ihre Mädchen, aber auch für andere notleidende Christen in Nigeria:

    • Danken Sie Jesus für Roses Glaubensmut und seine Versorgung für sie und ihre Töchter.
    • Beten Sie, dass Rose den Verlust ihres Mannes und die Töchter den Verlust ihres Vaters verarbeiten können und Trost in Jesus finden.
    • Beten Sie, dass Gott der Gewalt in Nigeria ein Ende setzt und die Gemeinschaft der Christen vor weiteren Angriffen schützt.
    • Beten Sie, dass der Vater im Himmel seine Kinder in Nigeria mit allem Lebensnotwendigen versorgt; beten Sie auch für alle, die dabei mithelfen.
    • Beten Sie für das islamische Volk der Fulani, dass es unter den zahlreichen Angehörigen zu geistlichen Aufbrüchen kommt und viele Jesus erkennen.