16.10.2020

Ägypten: Neues Familiengesetz in Arbeit

Kirchen legen gemeinsamen Vorschlag vor

Kairo (Fides) – Die Vertreter der christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in Ägypten haben den zuständigen Behörden des Landes einen gemeinsamen Vorschlag für das Gesetz über den Personenstand und das Familienrecht vorgelegt, der seit einiger Zeit von den zuständigen staatlichen Institutionen geprüft wird. Der gemeinsame Vorschlag, so Youssef Talaat, Rechtsberater der ägyptischen evangelischen Glaubensgemeinschaft, „umfasst und ordnet sowohl die allgemeinen Artikel über die Normen, die von allen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften geteilt werden, als auch die spezifischen Artikel zu den verschiedenen Angelegenheiten (wie eheliche Trennung und Scheidung), die von jeder christlichen Konfession unterschiedlich gehandhabt werden. Die Übergabe des Textes an die Regierungsbehörden, den die Vertreter der verschiedenen Kirchen bereits seit letztem Februar ausgearbeitet hatten, war aufgrund der Pandemie erst am Donnerstag, dem 15. Oktober, beim Sitz des Ministerrates möglich. Nach Prüfung der zuständigen Regierungsstellen wird der Gesetzentwurf dem Parlament zum Studium und zur Genehmigung vorgelegt.
Die Einbeziehung der in Ägypten anwesenden christlichen Kirchen in den langen Prozess zur Ausarbeitung eines neuen Gesetzes über den persönlichen Status hatte bereits 2014  durch das damalige Übergangsjustizministerium begonnen. Bereits damals hatte die Regierungsbehörde den Anführern der verschiedenen Kirchen einen Gesetzesentwurf vorgelegt, mit der Bitte, den Text zu prüfen und in kurzer Zeit ihre eigenen Überlegungen zu der Angelegenheit vorzulegen. Damals hatte der, koptisch-orthodoxer Bischof Paula von Tanta und Präsident des Komitees seiner Kirche das für die Bewertung zuständig war, angekündigt, dass die koptisch-orthodoxe Kirche und alle in Ägypten anwesenden katholischen Kirchen, der möglichen Einführung von rein standesamtlichen Ehen in Ägypten nicht zustimmen würden.
(GV) (Fides 16/10/2020)