17.08.2020

Rumänien: Erstmals Gedenktag für verfolgte Christen begangen

Initiator Gheorghe: Seit Jahren werden immer mehr Christen zu Opfern von Gewalt

Bukarest (idea) – Erstmals hat Rumänien am 16. August einen nationalen Gedenktag für verfolgte Christen in aller Welt begangen. Das Parlament hatte ihn im Juni auf Initiative des Abgeordneten Daniel Gheorghe von der Nationalliberalen Partei beschlossen. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte er: „Seit Jahren werden immer mehr Christen weltweit verfolgt und zu Opfern von Gewalttaten.“ Die Gewalt gegen Christen finde heute auf verschiedenen Ebenen statt: „durch den Islamismus und den Dschihad, aber auch in totalitären Regimen wie in Nordkorea und China.“ Tendenzen, die Freiheiten von Christen einzuschränken, sieht er allerdings auch in europäischen Ländern, etwa durch „Sprachzensur“. Aus Solidarität mit den verfolgten Christen wurden in Rumänien eine Reihe von Gebäuden rot angestrahlt, darunter das Parlament und der Regierungssitz. Künftig sollen jedes Jahr am 16. August Gedenkfeiern, Gottesdienste und ähnliche Veranstaltungen stattfinden.

Hilfsaktion Märtyrerkirche: Gott hat das Blatt gewendet

Der Missionsleiter der Hilfsaktion Märtyrerkirche, Manfred Müller (Uhldingen am Bodensee), zeigte sich erstaunt und erfreut über das Wirken Gottes in Rumänien. Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea erinnerte er an die kommunistische Herrschaft von 1948 bis 1989: „Da, wo die Kommunisten einst mit aller Macht versuchten, die Gemeinde Jesu zu unterdrücken und zu zerstören, wurde jetzt der 16. August als Gedenktag für verfolgte Christen in aller Welt begangen.“ Dies zeige, wie Gott das Blatt wenden könne. Vom einstigen kommunistischen Machthaber Nicolae Ceaușescu (1918–1989) und seinen Genossen spreche heute niemand mehr.

Einst unterdrückte Christen gedenken heute der Verfolgten

Müller: „Aber die damals so brutal unterdrückten Christen gedenken heute ihrer Glaubensgeschwister in der Verfolgung. Für die einst unterdrückten Christen wie Pfarrer Richard Wurmbrand und andere ist damit eine späte Saat aufgegangen.“ Wurmbrand (1909–2001) war zwischen 1948 und 1964 insgesamt 14 Jahre inhaftiert. Sein Bekenntnis zum christlichen Glauben war den Machthabern ein Dorn im Auge. Nachdem er frei kam, reiste er durch die Welt, berichtete von seinen Erfahrungen und gründete unter anderem die Hilfsaktion Märtyrerkirche.

Gedenken an Brancoveanu-Märtyrer

Der 16. August ist in Rumänien zugleich der Gedenktag der Brancoveanu-Märtyrer, die 1992 von der rumänisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen wurden. Constantin Brancoveanu (1654–1714) war – unter osmanischer Oberhoheit – von 1688 bis 1714 Herrscher der Walachei. 1714 wurde er von den Osmanen aufgrund falscher Anklagen nach Konstantinopel gebracht und dort gemeinsam mit seinen vier Söhnen hingerichtet. Sie hatten es abgelehnt, ihr Leben durch den Übertritt vom Christentum zum Islam zu retten. Von den heute 19,6 Millionen Einwohnern in Rumänien sind 82 Prozent rumänisch-orthodox, fünf Prozent römisch-katholisch und vier Prozent evangelisch.