17.09.2020

Kamerun: "Höchstes Ziel ist das Gemeinwohl"

Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz angesichts wachsender Spannungen im Vorfeld der Wahl

Yaoundé (Fides) - „Seit einiger Zeit lebt unser Land nicht mehr in der Perspektive eines Fortschritts, sondern es befindet sich im wachsenden Chaos. Die Auswirkungen dieses schleichend zunehmenden Chaos sind in unseren Städten und Dörfern leicht zu erkennen und sind größtenteils auf die Schwäche der Regierung zurückzuführen", beklagt Bischof Abraham Boualo Kome von Bafang, der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Kamerun, in eine Erklärung.
Bischof Kome äußert sich besorgt über "die Weigerung, unserem Land einen Wahlprozess zuzutrauen, der in der Lage ist, eine Mehrheit auszudrücken, die Verantwortung gegenüber denen übernimmt, die sie gewählt haben".
In Kamerun wächst in der Bevölkerung die Intoleranz gegenüber einem politischen System, das von Präsident Paul Biya dominiert wird, der seit November 1982 an der Macht ist. Mit Blick auf die Regionalwahlen am 6. Dezember hat die Opposition für den 22. September eine Reihe von Demonstrationen im ganzen Land angekündigt, bei der ein neues Wahlgesetz und die Lösung der Krise gefordert werden, die seit 2016 in den Regionen im Nordwesten und Südwesten herrscht.
Bischof Kome berichtet, er sei von Gläubige gefragt worden, ob es angemessen ist, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen. "Meine Mission als Kirchenvertreter besteht darin, die weltlichen Situationen zu beleuchten, ausgehend von Werten, beginnend mit dem Ewigen", so der Bischof von Bafang. "Die entscheidende, aber nicht ausschließliche Revolution für unsere heutige Gesellschaft besteht darin, sich selbst neu zu erkennen und unseren Kindern beizubringen, dass der Mensch nicht für den Komfort seiner persönlichen Befriedigung geschaffen ist, sondern für die berauschende Freude am Geben, daran sich in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen". Und "das Gemeinwohl ist nach der Soziallehre der Kirche das höchste Ziel, das jede Gesellschaft anstreben muss", so der Bischof abschließend.
(L.M.) (Fides 17/9/2020)