18.08.2020

Deutschland: Pastor Olaf Latzel nimmt seinen Dienst wieder auf

In einem Dienstgespräch mit der Kirchenleitung verpflichtete er sich zur „Mäßigung“

Bremen (idea) –Der evangelikale Pastor der Bremer St.-Martini-Kirchengemeinde, Olaf Latzel, nimmt die Arbeit in der Gemeinde nach seinem Urlaub wieder auf. Das ist das Ergebnis eines Dienstgesprächs zwischen Latzel und der Kirchenleitung der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK). In dem Gespräch hätten „beide Seiten eine Vereinbarung über den weiteren Dienst von Herrn Latzel geschlossen“, teilte die Landeskirche am 18. August mit. Der Pastor habe sich „zu einer Mäßigung“ im Rahmen seines Verkündigungsauftrages verpflichtet. Über den weiteren Inhalt des Gesprächs vereinbarten beide Seiten Vertraulichkeit. Das kirchliche Disziplinarverfahren gegen Latzel bleibe von dieser Vereinbarung unberührt. Es sei weiterhin ausgesetzt, bis das Strafverfahren gegen Latzel abgeschlossen sei, so die BEK. In einem früheren Dienstgespräch am 3. Juli hatte Latzel eingewilligt, bis zum 24. August Urlaub zu nehmen.

Morddrohungen gegen Latzel

Zum Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft hat am 2. Juli Anklage wegen Volksverhetzung gegen Latzel erhoben. Sie wirft ihm unter anderem vor, in einem Eheseminar der St.-Martini-Gemeinde, das auf YouTube veröffentlicht wurde, „Homosexuelle generalisierend als Verbrecher“ bezeichnet zu haben. In dem Seminar hatte Latzel unter anderem über Homosexualität gesprochen und gesagt: „Überall laufen diese Verbrecher rum vom Christopher Street Day.“ Das Video wurde inzwischen gelöscht. Für die Verwendung des Wortes „Verbrecher“ entschuldigte Latzel sich später öffentlich. Er habe damit nicht allgemein homosexuell lebende Menschen gemeint, „sondern militante Aggressoren, die uns als Gemeinde in den letzten Jahren immer wieder angegriffen und gotteslästerlich diffamiert haben“. Wiederholt war die St.-Martini-Kirche mit antichristlichen Schriftzügen beschmiert worden. Gottesdienste wurden gestört. Latzel erhielt sogar Morddrohungen.

Unterschriftenaktionen für und gegen Latzel

Die Anklage und das kirchliche Disziplinarverfahren gegen Latzel hatte eine öffentliche Debatte ausgelöst. So wurde eine Unterschriftenaktion gegen das Disziplinarverfahren der BEK gegen Latzel von über 20.000 Unterzeichnern aus ganz Deutschland unterstützt. Eine Gegenkampagne des LGBTIQ-Aktivisten Bastian Melcher (Bremen) erreichte bisher knapp 13.400 Unterschriften. Sie fordern die Absetzung Latzels. Die Abkürzung LGBTIQ steht für Lesbisch, Schwul (Gay), Bisexuell, Transgender, Intersexuell und Queer.