19.02.2021

Nigeria: Leah Sharibu ist zum Gesicht der Verfolgung in Nigeria geworden

Ihre Entführung jährt sich am 19. Februar zum dritten Mal

London (IDEA) 19.02.2021 – Die Entführung der nigerianischen Schülerin Leah Sharibu (17) jährt sich am 19. Februar zum dritten Mal. Für den leitenden Analysten für die Sub-Sahara-Region des christlichen Hilfswerks Open Doors, Illia Djadi (London), ist sie mittlerweile zum Gesicht der Verfolgung in Nigeria geworden. Wie er der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar) sagte, zeigt ihr Schicksal das Versagen der nigerianischen Regierung besonders deutlich auf. Zum Hintergrund: Die Schülerin aus Dapchi im Bundesstaat Yobe wurde am 19. Februar 2018 nach einem Überfall der radikal-islamischen Terrormiliz „Boko Haram“ (Westliche Bildung ist Sünde) auf die dortige Technische Mädchenschule zusammen mit 109 weiteren Mädchen verschleppt. Einige Mitschülerinnen wurden getötet, 101 Mädchen ließen die Entführer einen Monat später wieder frei. Leah ist die Einzige, die noch gefangen gehalten wird. Die Christin hatte sich geweigert, zum Islam überzutreten. Wie es ihr geht, sei nicht bekannt, so der ehemalige BBC-Journalist Djadi. Sie lebe aber nachweislich noch. Tausende junger Mädchen und Frauen in Nigeria teilten ihr Schicksal. Viele würden vergewaltigt, einige getötet oder als Sexsklavinnen oder Ehefrauen an islamistische Kämpfer übergeben. Das Leid der Frauen und ihrer Familien sei kaum in Worte zu fassen. 

„Keiner ist mehr sicher“

Djadi zufolge werden in Nigeria immer wieder Menschen enführt, um dann Lösegeld zu erpressen. Es handele sich um einen „Wirtschaftszeig für radikale Islamisten“. Die Dschihadisten schreckten auch vor Gewalt gegen moderate Muslime nicht zurück: „Ziel ist die Gründung eines islamischen Staates auf nigerianischem Boden. Moderate Muslime vertreten nicht dieselben Überzeugungen wie die Kämpfer und werden so ebenfalls angegriffen.“ Mittlerweile sei niemand mehr sicher. Die Regierung sei nicht in der Lage, seine Bürger zu schützen, so der aus dem Niger stammende Djadi. Insgesamt könnten sowohl die Entführungen, Zwangsislamisierungen sowie Zwangsverheiratungen christlicher Mädchen und Frauen mit islamistischen Kämpfern selbst als Teil des Dschihads (islamischer Glaubenskrieg) der Milizen gesehen werden. 

Zu spät und nicht vehement genug reagiert

Viele Probleme seien „hausgemacht“. Die Regierung habe vor mehr als einem Jahrzehnt zu spät auf die Übergriffe reagiert. Damals seien viele Muslime über die Korruption im Land empört gewesen. Das hätten die radikalen Islamisten ausgenutzt und ein Kalifat als Lösung propagiert. Viele junge Männer seien so in die Arme der radikalen Islamisten getrieben worden. Bis heute mangele es an Durchsetzungsvermögen der Regierung. „Zwar konnte die nigerianische Regierung die Islamisten aus ihren Städten vertreiben, verlagerte damit das Problem jedoch lediglich aufs Land. Weit weg von der Armee brandschatzen die Terrormilizen dort fast ungestört.“ Die verhängten Ausgangssperren während der Corona-Pandemie hätten den Islamisten noch zusätzlich in die Karten gespielt: Die Menschen seien in ihren Siedlungen quasi schutzlos gefangen gewesen. Djadi befürchtet langfristig eine Massenflucht aus dem bevölkerungsreichsten afrikanischen Land in Richtung Europa. 

Kompromissloser Glaube

Die Ermordungen, Übergriffe und Entführungen hielten die Christen aber nicht davon ab, trotzdem die Gottesdienste zu besuchen: „Jeder Kirchenbesuch kann für sie der letzte sein, trotzdem gehen sie hin.“ Ihnen sei ihr Glaube wichtiger als ihr Leben. Auch Sharibu habe Jesus die höchste Priorität in ihrem Leben eingeräumt. Diese Kompromisslosigkeit sei etwas, was westliche Christen von ihren nigerianischen Geschwistern lernen könnten. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA haben Sharibu 2018 als „Gefangene des Monats September“ benannt. Von den über 200 Millionen Einwohnern Nigerias sind 48 Prozent Kirchenmitglieder und 51 Prozent Muslime.