19.03.2021

Turkmenistan: Muslime verhaftet, von der Polizei bedroht und beschimpft

F18/AKREF-A/19.3.2021 - Im Januar wurden in Farap etwa zehn muslimische Männer festgenommen, da die Polizei der Auffassung war, sie würden ihren Glauben zu konsequent leben, so etwa durch ihr tägliches Gebet und das Tragen von Bärten. Die Beamten beschimpften die Verhafteten und behandelten sie grob. Ein Mann wurde zwangsweise rasiert. Die Beamten zwangen ihn, Wodka zu trinken mit den Worten „trink, wenn du kein Wahabit bist“ und verhängten ohne Angabe von Gründen eine Geldstrafe gegen ihn, ohne eine Zahlungsbestätigung auszuhändigen. Etwa zehn weitere Männer wurden bei einer Razzia in einer Privatwohnung, ebenfalls in Farap, festgenommen, weil sie das muslimische Pflichtgebet (Namaz) gebetet hatten, und auf eine Polizeistation gebracht. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. Die Polizei gab vor, sie hätten die unklar formulierten Lockdown Bestimmungen verletzt. Das Regime hat bisher keine genauen Anweisungen zum Schutz der Gesundheit herausgegeben. Obwohl es zu zahlreichen Todesfällen nach Erkrankungen mit typischen Symptomen gekommen ist, gesteht die Regierung nicht zu, dass es Fälle der Covid-19 Erkrankung in Turkmenistan gibt.

Beamte haben auch Schulkinder gewarnt, sich nicht an (nicht näher bezeichneten) „illegalen“ religiösen Gruppen zu beteiligen. Beamte der Regierung warnen die Menschen häufig, sich nicht an den Aktivitäten von Religionsgemeinschaften zu beteiligen, die nicht über die Erlaubnis des Regimes zum rechtmäßigen Bestehen verfügen. Im Februar 2021 warnten Beamte die Bewohner der Region Daschoguz im Norden des Landes, sich keinen religiösen Gruppen anzuschließen, die nicht über eine staatliche Erlaubnis verfügen. 

Beamte aller Ebenen versuchen, herauszufinden, wer religiös ist, z.B. indem sie fragen, ob jemand Alkohol trinkt, und bedrohen als religiös eingestufte Personen mit schädlichen Konsequenzen. Der Arm der Behörden reicht auch ins Ausland. In Ländern, in denen viele turkmenische Staatsbürger studieren, so etwa in Weißrussland, in der Ukraine und in der Türkei, laden die Diplomaten die Studenten und Studentinnen häufig vor und verwarnen  sie bezüglich ihres Verhaltens. Insbesondere werden sie ermahnt, keine Moscheen oder Versammlungen anderer Religionsgemeinschaften zu besuchen und die Männer werden aufgefordert, keinen Vollbart zu tragen.

Quelle: Forum 18, Oslo (Meldung vom 19. März 2021)

Deutsche Fassung: Arbeitskreis Religionsfreiheit der ÖEA