19.08.2020

Weißrussland: Orthodoxe Kirchenleiter gratulieren Lukaschenko zum Sieg

Kritisch äußern sich Vertreter der Katholiken und Pfingstler

London/Minsk (idea) – Vertreter der orthodoxen Kirchen in Belarus und Russland haben den umstrittenen Wahlsieg von Präsident Alexander Lukaschenko (Minsk) begrüßt. Das berichtet die Internetplattform „Church Times“ (London). Bei der am 9. August beendeten Präsidentschaftswahl hatte der seit 1994 regierende Herrscher nach offiziellen Angaben rund 80 Prozent der Stimmen erhalten. Doch an dem Ergebnis gibt es erhebliche Zweifel. Zehntausende Bürger gehen seitdem auf die Straße und werfen dem Regime Wahlfälschung vor. Sicherheitskräfte reagierten mit Gewalt gegen friedliche Demonstranten. Das geistliche Oberhaupt der Belarussischen Orthodoxen Kirche, der Metropolit von Minsk und Sluzk, Pawel Ponomarjow, schrieb in einem Offenen Brief an Lukaschenko: „Landsleute setzen große Hoffnungen auf Sie, um die Souveränität von Belarus zu schützen und gleichzeitig das geistige und kulturelle Erbe unserer Nation zu bewahren.“

Patriarch Kirill wünscht „gesegneten Erfolg“

Auch das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill (Moskau), gratulierte Lukaschenko zu seinem Wahlsieg und wünschte ihm einen „gesegneten Erfolg“ bei der Aufrechterhaltung einer „fruchtbaren Zusammenarbeit“ mit orthodoxen Christen. Weiter schrieb Kirill: „Es ist erfreulich, dass Sie stets auf den geistigen und moralischen Zustand des Volkes achten – auf die Schaffung dauerhafter Ideale von Barmherzigkeit, Frieden, Güte und Gerechtigkeit in der Gesellschaft.“

Katholischer Erzbischof bietet Vermittlung an

Kritisch äußerte sich dagegen der römisch-katholische Erzbischof von Minsk-Mahiljou, Tadeusz Kondrusiewicz. Er bedauerte die „beispiellosen Spannungen“ und das „Blutvergießen bei aktiven Konfrontationen“ und bot seine Vermittlung an: „Zum ersten Mal in der modernen Geschichte von Belarus hat der Bruder die Hand gegen den Bruder erhoben“, schrieb der Erzbischof im sozialen Netzwerk Facebook. Radio Liberty (Prag) berichtete, dass katholische Laien eine Internetkampagne mit dem Titel „Fälschung – eine schwere Sünde“ gestartet hätten.

Pfingstpastor kritisiert „brutales Vorgehen“ der Polizei

Der Pastor der pfingstkirchlichen New Life Church in Minsk, Wjatscheslaw Gontscharenko, kritisiert auf der Internetseite seiner Gemeinde und auf YouTube das „brutale Vorgehen“ der Polizei gegen friedliche Demonstranten: „Wenn ein Kind Wunden aufweist, kann der Staat das Kind den Eltern wegnehmen. Wenn 1.000 Bürger verletzt werden, darf das Volk den Staat zu einer sozialen Gefahr erklären.“ Er forderte die Staatsmacht auf, sich nicht nur beim Volk, sondern auch vor Gott für die Übergriffe zu entschuldigen. Dass im Wahlkampf mehrere Oppositionskandidaten festgenommen worden waren, habe ihn „in einen Schock versetzt“. Er sei aber zuversichtlich, dass „Winde des Wandels“ kommen werden. Rund 80 Prozent der 9,5 Millionen Einwohner von Belarus sind orthodox und sieben Prozent römisch-katholisch. Ferner gibt es protestantische, muslimische und jüdische Minderheiten.