20.01.2020

Iran: Christliche Menschenrechtsaktivistin verhaftet

Sie verbrachte 2017 bereits sechs Monate in Haft

Teheran (idea) – Die iranischen Behörden haben eine christliche Konvertitin und Menschenrechtsaktivistin verhaftet. Das meldet die Menschenrechtsorganisation „Artikel 18“ (London) unter Berufung auf die persischsprachige Nachrichtenagentur HRANA. Mary Fathemeh Mohammadi (21) sei am 12. Januar in der iranischen Hauptstadt Teheran verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht worden. Wie die Organisation berichtet, fanden zeitgleich zur Verhaftung der jungen Frau Proteste statt. Es ist unklar, ob Mohammadi an ihnen teilgenommen hatte. Nach Angaben von „Artikel 18“ ist sie eine der wenigen christlichen Aktivisten, die sich noch im Iran befinden. In den Sozialen Medien berichtet sie über inhaftierte Christen und kritisiert das Regime, weil es die Menschenrechte missachte. Nur kurz vor ihrer Verhaftung hatte sie auf Twitter geschrieben, dass die Menschen im Iran „sanfter Unterdrückung“ ausgesetzt seien. Diese sei aus ihrer Sicht für Betroffene schlimmer als Tränengas oder Schlagstöcke: Das iranische Regime betreibe selektive Berichterstattung in seinen Medien und streue bewusst Falschaussagen.

Sie berichtete in den sozialen Netzwerken über inhaftierte christliche Konvertiten

Es ist nicht das erste Mal, dass die Aktivistin in Haft ist: 2017 verurteilte ein Gericht sie zu sechs Monaten Gefängnis, weil ihre christliche Tätigkeit als „Aktion gegen die nationale Sicherheit“ und „Propaganda gegen das System“ angesehen wurde. Im Juli 2019 wurde sie kurzzeitig erneut verhaftet wegen „unsachgemäßen“ Tragens des Hidschabs. Im Dezember 2019 exmatrikulierte die Universität Teheran sie ohne Angaben von Gründen. Kurz zuvor hatte die 21-Jährige in den Sozialen Medien auf zehn christliche Konvertiten aufmerksam gemacht, die derzeit aufgrund ihres Glaubens im Iran inhaftiert seien. 95 Prozent der über 81 Millionen Einwohner des Irans gehören zum schiitischen Zweig des Islams. Die Zahl der Christen liegt Schätzungen zufolge bei 360.000.