07.08.2007
China: Strenges Vorgehen gegen Hauskirchen vor Olympia 2008
Christen berichten von Verhaftungen und Bibelknappheit – Ausländische<br />Missionare ausgewiesen
China: Strenges Vorgehen gegen Hauskirchen vor Olympia 2008
Christen berichten von Verhaftungen und Bibelknappheit – Ausländische
Missionare ausgewiesen
DUBLIN, 23. Juli 2007 - In China befürchten Christen harte Einschränkungen, ihre
Gottesdienste im kommenden Jahr ungehindert feiern zu können. Im Vorfeld der Olympischen
Spiele 2008 in Peking hat die Regierung „die Zügel straff angezogen“, berichten Christen aus
China. Sie berichten von einem Mangel an Bibeln im ganzen Land, sogar in Städten, wo sie
früher leicht erhältlich waren. Es gibt Meldungen über laufende Durchsuchungen in
Hauskirchen und Verhaftungen. In den letzten Monaten sind mehrere ausländische Christen ausgewiesen worden. Eine der Regierung im Januar vorgelegte Studie zeige, so ein Bericht der
China Aid Association (CAA), dass die Zahl der Christen in China auf 130 Millionen (darunter
20 Millionen Katholiken) gestiegen sein könnte – viel höher als frühere amtliche Schätzungen.
Chinesische Beamte reagierten negativ auf Medienberichte, in denen berichtete wurde, dass
etliche große christliche Organisationen – viele davon aus dem Ausland – bei den Olympischen
Spielen in Peking missionarische Aktivitäten planen würden, u. a die Entsendung „Tausender
freiwilliger Evangelisten“. Bereits im Februar aber wurde unter dem Code „Taifun Nr. 5“ eine
„Anti-Infiltrations“-Kampagne gestartet, mit der der Kontakt zwischen ausländischen und
chinesischen Christen drastisch verringert werden sollte.
Jahrelang geduldet
Jahrelang hatten Ortsbehörden über ausländische Christen hinweggesehen, die in China an
Universitäten, Krankenhäusern, in Waisenhäusern und Unternehmen arbeiten. Jetzt will die
Regierung wohl jedem Ausländer das Visum entziehen, der im Verdacht steht, seinen
christlichen Glauben unter chinesischen Bürgern zu verkünden. In einem am 10. Juli
veröffentlichten CAA-Bericht heißt es, zwischen April und Juni 2007 seien mindestens 100
ausländische Christen aus China ausgewiesen worden. Vom harten Vorgehen gegen Christen ist
besonders der Nordwesten Chinas betroffen. In der Provinz Xinjiang an der Grenze zu
Kasachstan gehen möglicherweise die Regierungen Chinas und Kasachstans gemeinsam gegen
Aktivitäten uygurischer Separatisten vor, die auf beiden Seiten der Grenze leben. Die Mehrheit
der Stammesangehörigen der Uyguren gehört dem sunnitischen Islam an. Die Christen unter
ihnen werden verdächtigt, Verbündete „westlicher Mächte“ zu sein, die das politische Klima in
der Provinz Xinjiang ändern möchten. Der CAA zufolge hat China seit Juni mindestens 60
ausländische Christen aus der Provinz ausgewiesen. Nach Informationen des
Nachrichtendienstes Compass Direct begann die Abschiebung von Ausländern Ende September
2006. Es handle sich um die härteste Maßnahme in Nordwestchina seit der kommunistischen
Machtübernahme im Jahr 1949, sagen Christen. Während ausländische Christen abgeschoben
werden, ist die Behandlung einheimischer Christen noch schärfer. Eine Lokalzeitung habe einen
uygurischen Christen als illegalen Evangelisten beschrieben, dessen Strafverfolgung mit der
ganzen Macht des Gesetzes erfolgen solle. Einheimischen Christen sei untersagt, sich zu
versammeln und sie stünden unter Beobachtung, so ein Informant.
China erlaubt zwar den Mitgliedern von fünf staatlich anerkannten Religionsgruppen – u. a. die
katholisch-patriotische Vereinigung (CPA) und die protestantisch-patriotische
Drei-Selbst-Bewegung (TSPB) – eine begrenzte Freiheit, doch die Durchsuchungen in
Hausgemeinden gingen in diesem Jahr unvermindert weiter. Im Januar soll die Polizei Bibeln,
Gesangbücher und Musikausstattungen beschlagnahmt haben. Im Februar meldete die
katholische Untergrundgemeinde in der nordchinesischen Provinz Hebei eine intensive
Fahndung nach Priestern von Untergrundkirchen, um diese zum Anschluss an die staatliche
CPA zu zwingen. Wer sich weigerte, wurde verhaftet oder verlor seinen Arbeitsplatz. Zur Zeit
dieser Kampagne hätten sich mindestens 20 Katholiken und zwei Priester im Gefängnis
befunden, berichtete die CAA.
Christen sind Staatsfeinde
Am 14. März wurde die 54-jährige Gu Changrong verhaftet, weil sie Yu Mingfu, dem
KP-Sekretär ihres Dorfes vom christlichen Glauben erzählte. Yu beschuldigte sie jedoch,
„kommunistische Parteimitglieder [mit der christlichen Botschaft] zu vergiften.“ Sie wurde zu
einem Jahr Umerziehung in einem Arbeitslager verurteilt wegen „Benutzung von Organisationen böser Kulte, um die Anwendung staatlicher Gesetze zu behindern“. Als am 19.
April 30 Hausgemeindeleiter zusammen mit vier US-amerikanischen Christen und ihrem
chinesischen Übersetzer festgenommen wurden, entließ man laut einem Bericht der China Aid
Association (CAA) acht chinesische Pastoren am 20. April, während mindestens sechs andere
wegen Beteiligung an „Aktivitäten eines bösen Kults“ 30 Tage lang festgehalten wurden. Zu
den vielen Durchsuchungen und Festnahmen der vergangenen Monate in verschiedenen
Provinzen gehört auch die Beschuldigung zweier Hausgemeindeleiter. Sie würden „einen bösen
Kult zur Behinderung des Gesetzes“ gebrauchen. Sie wurden zu einem Jahr Umerziehung durch
Arbeit verurteilt. Für das Jahr 2006 hat CAA Aufzeichnungen über mindestens 600 Festnahmen
in ganz China.
Bibeln sind Mangelware
Christen berichten auch, dass es in China auch an Bibeln und anderen christlichen Materialien
mangle. Amity Press, der einzige staatlich erlaubte Bibelverlag in China, stelle genügend Bibeln
für die Christen im Land her, behauptet der chinesische Christenrat (CCC), der die Anzahl der
Protestanten in China mit nur 16 Millionen benennt. Jedoch zählt der Rat nur die Mitglieder der
staatlich gebilligten Gemeinden, während China nach einer im Februar veröffentlichten
Universitätsstudie 40 Millionen Protestanten hat – bei einer Gesamtzahl religiös Gebundener
von 300 Millionen.
Andere China-Beobachter schätzen die Zahl der protestantischen Christen auf mindestens 60
Millionen und manche Schätzungen sind jetzt schon auf 130 Millionen gestiegen. Amity Press
hat insgesamt etwas über 40 Millionen Bibeln gedruckt, doch ein bedeutender Prozentsatz
davon war für den Export bestimmt. Viele Bibeln von Christen wurden beschlagnahmt oder
verbrannt; viele sind völlig abgenutzt und in einigen Gegenden wechseln sich
Hausgemeindemitglieder beim Lesen der einzig vorhandenen Bibel ab. Auch Pastoren der
Drei-Selbst-Bewegung mangelt es an Bibeln und anderen christlichen Materialien. Das
Gemeindewachstum in Stammesgebieten führt auch zu einem dringenden Bedarf an Bibeln in
den Sprachen von Minderheitsvölkern geführt.
Compass Direct sprach im März mit etlichen Hausgemeindeleitern in Kunming, einer Stadt, in
der Bibeln in TSPM-Kirchen früher leicht zu erhalten waren. Sie berichteten über einen Mangel
an Bibeln, und dass sie ihnen bewusst vorenthalten werden. Ein Pastor wurde im 1. Quartal
mehrfach von Polizisten besucht, die ihn aufforderten, seine Gemeinde durch die TSPM
registrieren zu lassen.
Ironischerweise schlug Anthony Liu Bainian, der stellvertretende Vorsitzende der
katholisch-patriotischen Vereinigung (CPA) im März vor, während der Olympischen Spiele 20
000 englischsprachige Bibeln in Hotels auszulegen, „um die falschen Vorstellungen von
Ausländern über die Religion in China auszuräumen“. Während die Vorbereitungen auf die
2008 in Peking stattfindenden Olympischen Spiele weitergehen, fordern Kritiker überall auf der
Welt China auf, sich wegen der laufenden Menschenrechtsverletzungen und auch der
Verletzungen der Religionsfreiheit zu rechtfertigen. Im internationalen Religionsfreiheitsbericht
des US-Außenministeriums von 2006 heißt es, China habe seine Zusagen nicht erfüllt, den
Glauben seiner Bürger zu respektieren, sondern Christen, Muslime und tibetische Buddhisten
verfolgt, die sich weigerten, amtliche Kontrollen zu akzeptieren. Das wurde von China als
„Weiterführung grundloser Beschuldigungen“ zurückgewiesen.
Compass Direct/OpenDoors