31.08.2007

Ägypten: Ex-Muslim will für Anerkennung seines Religionswechsels kämpfen

Anwalt des Christen erhält Todesdrohungen von ägyptischer Sicherheitspolizei

Ägypten: Ex-Muslim will für Anerkennung seines Religionswechsels kämpfen

Anwalt des Christen erhält Todesdrohungen von ägyptischer Sicherheitspolizei


Anwalt des Christen erhält Todesdrohungen von ägyptischer Sicherheitspolizei
ISTANBUL, 13. August 2007 – Weil sich die ägyptischen Behörden weigerten, seinen
Religionswechsel vom Islam zum Christentum anzuerkennen, geht der Christ Mohammed
Ahmed Hegazy jetzt gerichtlich dagegen vor. Sein Anwalt erhielt daraufhin Todesdrohungen.
Der in Port Said geborene 24-Jährige verklagte das ägyptische Innenministerium am 2. August,
weil es seinen Antrag abgelehnt hatte, die Religionszugehörigkeit ´Islam´ in seinem Ausweis
durch ´Christentum´ zu ersetzen. „Ich halte es für mein natürliches Recht, die Religion
anzunehmen, an die ich glaube, und nicht für mich sowie für meine Frau und das Baby, das wir
erwarten, doppelte Personalien haben zu müssen", sagte Hegazy, der mit 16 Jahren zum
Christentum übertrat. Obwohl das ägyptische Recht den Übertritt vom Islam zum Christentum
nicht verbietet, ist kein Rechtsmittel für eine offizielle Anerkennung vorgesehen. Konvertiten
verbergen oft ihren Übertritt, um Folter und Schikane vonseiten ihrer Verwandten und der
Sicherheitspolizei (SSI) zu entgehen. Hegazy und seine Frau Zeinab waren aufgrund ihres
offiziellen Status als Muslime gezwungen, ihre Hochzeit islamisch zu feiern. Ihr Kind aber –
Zeinab ist im 4. Monat schwanger – soll von Geburt an Papiere mit dem Eintrag „Christ“ haben.
Dann darf es in der Schule am christlichen Religionsunterricht teilnehmen, in einer Kirche
heiraten und ohne Angst vor Schikanen offen an Gottesdiensten teilnehmen. Hegazy ist seinem
Anwalt Nakhla zufolge der erste traditionelle Muslim, der die amtlichen Restriktionen Ägyptens
für Übertritte aus dem Islam offen angeht.
Ex-Muslim fordert Regierung auf, Konvertiten zu akzeptieren
7 000 Christen haben sich nach Aussage des höchsten muslimischen Geistlichen des Landes
zwischen den Jahren 2000 und 2006 dem Islam angeschlossen. Ein offizieller Übertritt vom
Islam zu einer anderen Religion hingegen ist unmöglich. Artikel 2 der ägyptischen Verfassung
bestimmt die Scharia (das islamische Recht) als Rechtsgrundlage, so dass jeder Nichtmuslim
benachteiligt ist und der Abfall vom Glauben als ein strafwürdiges Vergehen gilt. Dutzende zum
Islam übergetretene Kopten jedoch, die später wieder zu ihrem ursprünglichen Glauben
zurückkehren wollten, waren in den vergangenen Jahren vor Gericht erfolgreich und ihr
religiöser Status wurde entsprechen geändert. Rechtsanwalt Nakhla gehört zu den Anwälten, die
eine Gruppe von Kopten vertreten, deren Fälle am 1. September 2007 vor dem ägyptischen
Oberverwaltungsgericht verhandelt werden sollen. „Ich glaube, dass es Tausende von
Konvertiten gibt", sagte Hegazy unter Hinweis darauf, dass er großen Treffen und Konferenzen
ehemaliger Muslime beigewohnt habe. Diese Konvertiten forderte Hegazy auf, ihr „Ghetto zu
verlassen“ und sich zur Verteidigung ihrer Rechte zu organisieren, nicht zu flüchten, sondern
um die eigenen Rechte zu kämpfen. Von der Regierung verlangte Hegazy in einem Interview,
sie solle die Existenz von Konvertiten anerkennen und ganz auf den Eintrag der
Religionszugehörigkeit in den Ausweisen verzichten. Der im Jahr 2002 nach der Entdeckung
seiner Konversion von der Polizei verhaftete und gefolterte Hegazy sagte, er sei nicht zu
optimistisch, den Prozess zu gewinnen. Der Konvertit hat unter dem Titel „Sherines Lachen" ein
Büchlein mit 31 Gedichten veröffentlicht. In einem Gedicht erinnert er sich an seine
Misshandlung durch den SSI-Offizier Ahsraf Ma´alouf.
Im vergangenen Monat wurde Shaymaa Muhammad al-Sayed, eine zum Christentum
übergetretene Muslima, in Alexandrien brutal gefoltert. Danach übergab die Polizei sie
islamistischen Familienangehörigen, die sie hinter der Polizeistation verprügelten und jetzt bei
sich zu Hause festhalten. Im April hat die Sicherheitspolizei einen anderen zum Christentum
konvertierten Muslim, Bahaa el-Akkad, aus der Haft entlassen, der zwei Jahre lang ohne
Anklage im Gefängnis war.
Compass Direct/OpenDoors