31.08.2007

Ägypten: Polizei liefert Christin in die Hände ihrer gewalttätigen Familie aus

Islamische Verwandte verprügelten Eman Muhammad el-Sayed nach ihrer Entlassung

Ägypten: Polizei liefert Christin in die Hände ihrer gewalttätigen Familie aus

Islamische Verwandte verprügelten Eman Muhammad el-Sayed nach ihrer Entlassung

ISTANBUL, 27. Juli 2007 – Die von der Sicherheitspolizei (SSI) in Alexandria gefolterte
Christin wurde am 23. Juli aus der Haft gelassen und in die Hände ihrer Familie übergeben.
Augenzeugen berichteten, dass Mitglieder ihrer Familie sie aus der Polizeistation gezerrt hätten.
Eman Muhammad el-Sayed (26), die aus dem Islam zum Christentum konvertiert war, war seit
dem 16. Juli in Gewahrsam. Zuvor hatten radikal-islamische Verwandte die Frau auf einer
öffentlichen Ausstellung angriffen, die sie mit ihrem Mann, ebenfalls ein Konvertit, besuchte.
Die Angreifer schlugen auf sie ein, bedrohten sie mit dem Tod und versuchten, sie zu entführen.
Die Polizei griff ein und nahm das Opfer fest, um es vor ihrer muslimischen Familie zu
schützen. El-Sayed wurde dann von Sicherheitspolizisten von Alexandria – wie der
Informationsdienst Compass Direct aus internen Quellen erfuhr – täglich stundenlangen
Verhören und schwerer körperlicher Folter, auch mit Elektroschocks an empfindlichen
Körperteilen, gedemütigt. Nach ihrer Freilassung um 16 Uhr auf dem Friedhof hinter der
Polizeistation wurde sie von ihren Verwandten verprügelt, in einen Kleinbus gezwungen und
in Richtung Ost-Alexandria weggefahren, wo ihr Vater eine Strickwarenfabrik hat. Als
el-Sayeds Übertritt zum Christentum bekannt wurde, misshandelte ihre Familie sie schwer, um
sie mit Gewalt zur Rückkehr in den Islam und zur Ehe mit einem Cousin zu bringen, der in der
extremistischen Bewegung Al-Salafiyeen aktiv ist. Seit sie vor vier Jahren floh, soll ihr Vater
dreimal Vermisstenanzeige erstattet haben, um sie aufzuspüren.
Polizei lieferte Christin aus
Nachdem sie im Januar 2003 Christin wurde, hatte el-Sayed sich christliche Papiere auf den
Namen Maryan Eleya Saleeb beschafft und einen Christen geheiratet. Das ägyptische Recht
erlaubt es niemandem, der als Muslim geboren ist, seine Religion zu wechseln und eine
muslimische Frau darf auch keinen Christen heiraten. Am 21. Juli wurde el-Sayed, mutmaßlich
aufgrund des Fälschungsvorwurfs, nach Kairo zum Amt für öffentliche Angelegenheiten
gebracht. Doch nachdem sie von der SSI-Zentrale aus ins Haftzentrum des Amtes und dann in
eine Polizeistation verlegt wurde, schickte man sie in der Nacht zum 23. Juni ohne Erklärung
nach Alexandria zurück, wo sie mittags von der Polizeistation Bab-Sharky aus in die
SSI-Zentrale gebracht wurde. Dort bedrohten sie zwei hohe Beamte. Etwa zur selben Zeit
informierte die Polizei von Bab-Sharky el-Sayeds Vater, Onkel und Bruder, dass sie kommen
und die junge Frau übernehmen sollten. Obwohl der Polizei die Todesdrohungen der Familie
gegen el-Sayed völlig klar waren, wurde von der Familie keine Garantieerklärung verlangt, ihr
nichts anzutun, und eine Unterlassungsverfügung zugunsten ihrer persönlichen Sicherheit war
der jungen Frau unmöglich.
Compass Direct