25.12.2007
Irak: Mandäer - eine schutzlose Minderheit
AKREF/JJ 23.11.2007 - Im Koran werden die "Gläubigen, Juden, Christen und Sabäer" (auch
als Mandäer bekannt) als solche eingestuft, die an Gott und das jüngste Gericht glauben, und
tun, was Recht ist (Sure 2,62 und 5,69). Trotzdem haben schiitische Geistliche im Irak Fatwas
(islamische Rechtsgutachten) gegen die Mandäer erlassen, worin diese als "keine Menschen des
Buches" eingestuft werden, die keinen "Schutz" verdienen. Unter "Schutz" versteht man in
diesem Sinn das Recht auf Leben im Gegenzug gegen Unterordnung unter die islamische
Herrschaft und die Zahlung von Kopfsteuer (Sure 9,29).
Die gnostische Gruppe der Mandäer, die sich auf Johannes den Täufer beruft, lebte traditionell
in der Nähe von Flüssen im Irak, um ihre regelmäßigen Taufrituale zu vollziehen. Vor der
Invasion des Irak unter der Führung der USA waren es etwa 60.000 Personen, von denen heute
nur noch etwa 5.000 im Land verblieben sind. Die Mandäer bzw. Sabäer sprechen einen
aramäischen Dialekt. Viele von ihnen sind Kunsthandwerker. vor allem Juweliere. Als
vollkommen ungeschützte Nichtmoslems gehören die Mandäer jetzt zu den gefährdetsten und
verwundbarsten Menschen im Irak. Unter den Tausenden Asylwerbern in Syrien und Jordanien
herrscht bittere Not und die ständige Angst der nicht anerkannten Flüchtlinge, in den Irak und
damit den fast sicheren Tod abgeschoben zu werden. Einer dieser Flüchtlinge in Jordanien, ein
ehemaliger Juwelier, zeigte kürzlich im CNN Interview Photos seiner schweren
Misshandlungen. Er berichtete, dass eines Tages Moslems bei ihm erschienen und erklärten, der
Irak wäre Territorium des Islam und als "dreckiger Sabäer" hatte er hier nichts mehr zu suchen.
Ihm blieb nur noch die Flucht: in Bagdad hatte er ein eigenes Geschäft als Juwelier, in Jordanien
kämpft er um das nackte Überleben seiner Familie.
Einige wenige Familien aus dieser Minderheit wurden in Australien und den USA
aufgenommen. Obwohl eine systematische Kampagne im Gange ist, diese Gemeinschaft im Irak
auszurotten, unter anderem durch Morde, Vergewaltigung, Zwang zum Übertritt zum Islam und
allgemeinen Terror, haben nur wenige Asyl gefunden. Da Jordanien und Syrien die Grenzen für
irakische Flüchtlinge geschlossen haben (beide Länder sind mit Tausenden Flüchtlingen schon
längst überfordert), ist die Lage für die im Irak verbliebenen fast aussichtslos. Als winzige
Gemeinschaft mit nur wenigen Vertretern im Ausland haben sie auch keine internationale
Lobby.
Quelle: Kommission für Religionsfreiheit der WEA; CNN Interview. Übersetzung: ÖEA