25.12.2007

Irak: Über 1.000 Flüchtlingsfamilien erhalten Nothilfepakete und Bibeln

Hilfswerk Open Doors verteilt Güter in stark betroffenen Regionen<br />Pastor: „Nur wenige Organisationen wagen sich hierher, um uns zu helfen.“<br />

Irak: Über 1.000 Flüchtlingsfamilien erhalten Nothilfepakete und Bibeln

Hilfswerk Open Doors verteilt Güter in stark betroffenen Regionen
Pastor: „Nur wenige Organisationen wagen sich hierher, um uns zu helfen.“

KELKHEIM, 07. Dezember 2007 – Der Flüchtlingsstrom innerhalb des Irak in die relativ
sicheren Kurdengebiete im Norden reist nicht ab. Das Überleben der dortigen Kirche ist
gefährdet. Nach einem Bericht der kurdischen Regierung sollen schätzungsweise 15 Prozent der
rund 750.000 Binnenflüchtlinge in den Norden des Irak Christen sein. Viele ließen auf der
Flucht vor der anhaltenden Gewalt und der zunehmenden Feindseligkeit vonseiten
extremistischer Muslime alles zurück und leben in provisorischen Notunterkünften oder bei
Verwandten. Um die Not vieler Familien zu lindern, verteilte das Hilfswerk für verfolgte
Christen Open Doors in mehreren Gebieten* erste Nothilfe. Bis November 2007 erhielten 1.070
Familien Hilfspakete. „Die Menschen brauchen praktische Hilfe, um den harten Winter zu
überleben“, berichtete ein Mitarbeiter, der an der Verteilaktion beteiligt war und aus
Sicherheitsgründen ungenannt bleibt. „Lebensmittel sind schwer zu bekommen, besonders für
die, die keine Lebensmittelkarten haben. Brennstoffe zum Heizen und Kochen sind teuer. Oft ist
die Anzahl der Decken zu gering. Die meisten finden keine Arbeit. Zusätzlich gibt es in vielen
Herzen eine geistliche Leere.“ Viele Flüchtlinge sind nominelle Christen, die von ihrer Kirche
enttäuscht sind. Den Paketen liegt auch christliche Literatur bei wie eine Kinderbibel, ein Neues
Testament oder das Buch „Ein Jahr durch die Bibel“. Zaid floh vor ca. 18 Monaten aus Bagdad,
nachdem man ihn eingeschüchtert und bedroht hatte: „Es gibt hier keine Sicherheiten; wir
wissen nicht, was der nächste Morgen bringen wird, geschweige denn das nächste Jahr. Wir sind
aber dankbar zu wissen, dass Menschen für uns beten."
Kinder freuen sich über Bibeln
Hevel, ein Christ, der für seine Familie Unterstützung erhielt, sagte Open Doors: „Es ist hier
sehr finster; wir leben wie Bettler, keine Arbeit, kein Geld, nichts. Wir sind sehr dankbar für
eure Hilfe, und dass ihr unsere Lage bekannt macht." Die Pakete enthalten unter anderem Mehl,
Reis, Zucker, Tee, Milchpulver, Fleisch und Fisch in Dosen, Weizengrütze, Decken,
Waschmittel und Seife. Die Familien erhielten zunächst Vorräte für zwei Monate. „Besonders
berührte uns zu sehen, wie die Kinder in den Bibeln zu lesen begannen. Dabei lächelten sie, als
sei die Bibel das beste Geschenk, das sie je bekommen hatten“, berichtete der Mitarbeiter. Die
Verteilaktionen fanden in Kooperation mit einheimischen christlichen Organisationen statt, die
eng mit assyrischen, armenischen und chaldäischen Christen zusammenarbeiten. Derzeit wird
die Ausweitung der Hilfe vorbereitet. Geplant ist ein langfristiges Projekt, das es
Binnenflüchtlingen ermöglicht, eine neue Existenz aufzubauen.
Einsatz trotz Gefahr
Vater Faris von der chaldäischen St. George´s Kirche in Mosul sagte: „Ich bin sehr dankbar für
die Hilfe, besonders unter diesen schwierigen Umständen. Wir sind dankbar für die 75
Menschen, denen ihr hier helfen könnt, aber es gibt noch weitere 2.000 Familien, die Hilfe
benötigen. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Alle Iraker leiden. Die meisten in
Kurdistan aktiven Organisationen arbeiten im nördlichen Teil. Weil wir uns in der Provinz
Mosul im Süden befinden, übersieht man uns oft. Sie haben Angst herzukommen. Es ist sehr
selten, hier Hilfe anzutreffen. Vielen Dank dafür, dass ihr euch an uns erinnert. Bitte betet
weiter für uns."
Hintergrund: Schätzungen zufolge lebten im Jahr 2003 beim Sturz des Diktators Saddam
Hussein ca. 500.000 bis 600.000 Christen im Irak. Einige Konfessionen gehören zu den ältesten
christlichen Kirchen wie die armenische, assyrische und chaldäische Kirche. Heute ist die Zahl
der Christen im Land auf schätzungsweise unter 450.000 zurückgegangen. Berichtet wird, dass
Christen im Irak von islamischen Extremisten getötet oder entführt werden, Kirchen werden
geplündert und bombardiert oder Christen gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben. Christen
werden bedroht, zum Islam zu konvertieren oder Frauen zu sexuellen Handlungen mit
Muslimen gezwungen. Zudem werden sie gezwungen, Schutzgeld zu bezahlen.
* Aus Sicherheitsgründen können die Ortsnamen nicht genannt werden.