02.06.2007
Eritrea: Nach fünf Jahren Christenverfolgung Religionsfreiheit umfassend unterdrückt
Tausende Gefangene und illegale Kircheneingriffe – IGFM appelliert an<br />EU-Ratspräsidentin Merkel
Eritrea: Nach fünf Jahren Christenverfolgung Religionsfreiheit umfassend unterdrückt
Tausende Gefangene und illegale Kircheneingriffe – IGFM appelliert an
EU-Ratspräsidentin Merkel
Brüssel / Frankfurt am Main (18. Mai 2007) – Fünf Jahre nach dem Erlass der eritreischen
Regierung am 21. Mai 2002, wonach der Islam, die Eritreisch-Orthodoxe Kirche, die
„Mekane-Jesus-Kirche“ und die röm.-katholische Kirche offiziell zugelassen, die übrigen aber
ihre Tätigkeit einstellen mussten, zieht die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte
(IGFM) eine erschreckende Bilanz: Mehr als 2.000 Christen, insbesondere Mitglieder der
evangelischen Kirche oder evangelikaler Organisationen, sind verhaftet worden. Viele von
ihnen sind unter menschenunwürdigen Bedingungen in der Haft gestorben oder mit bleibenden
Schäden entlassen worden. Nachdem im Januar 2006 der regimekritische Patriarch der
Eritreisch-orthodoxe Kirche, Abuna Antonius, unter Hausarrest gestellt worden war, wurde die
Unterdrückung auch auf andere Kirchen und auf die muslimischen Gemeinden ausgeweitet. Die
Kirchen werden neuerdings zur Abgabe von Kollekten gezwungen, Geistliche werden zum
Militärdienst eingezogen, Muslime, die die von der Regierung eingesetzten Muftis nicht
anerkennen, riskieren Freiheitsentzug. Die IGFM appelliert an EU-Ratspräsidentin Angela
Merkel, bei dem eritreischen Staatspräsidenten Issayas Afwerki für die Achtung der
Religionsfreiheit zu intervenieren und damit ein notwendiges Gegengewicht zum kritiklosen
und unterwürf i gen Empfang des e ritreischen Staatspräsidenten durch
EU-Entwicklungskommissar Louis Michel am 4. Mai in Brüssel setzen.
Am 21. Mai 2002 wurden per Erlass alle religiösen Gruppierungen, die nicht den orthodoxen,
katholischen, lutherisch-evangelischen und muslimischen Religionsgemeinschaften angehören,
in Eritrea geschlossen. Die rund viereinhalb Millionen Eritreer gehören ungefähr zur Hälfte dem
Christentum und zur anderen dem Islam an. Seit Mai 2002 ist es zur massiven Verfolgung
protestantischer Minderheitenkirchen gekommen. Im Mai 2007 sind rund 2000 Christen
überwiegend aus protestantischen Freikirchen ohne Gerichtsverfahren aufgrund ihrer religiösen
Überzeugung in Haft und unter dem Druck von Glaubensverzichterklärungen. Zu den
Gefangenen gehören dutzende Gemeindeleiter. Aufgrund schwerer Misshandlungen starben seit
Oktober 2006 drei Christen.
Seit Anfang 2006 weitet sich die Unterdrückung auch auf anerkannte Gruppen wie die
eritreisch-orthodoxe Kirche aus, deren regimekritischer Patriarch Abuna Antonios im Januar
2006 unter Hausarrest gestellt wurde. Kirchen werden neuerdings zur Abgabe von Kollekten
gezwungen und Geistliche zum Militärdienst eingezogen. Gegen das Kirchenrecht soll am
Pfingstsonntag Bischof Dioskoros von Mendefera als neuer eritreischer Patriarch eingeführt
werden. Auch Muslime, die die von der Regierung eingesetzten Muftis nicht anerkennen,
riskieren Freiheitsentzug.
Mit der faktischen Aufhebung der Religionsfreiheit verstößt Eritrea gegen den vor fünf Jahren
ratifizierten internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und die Umsetzung der
Staatsverfassung von 1997. Die IGFM appelliert an EU-Ratspräsidentin Angela Merkel, zum
fünften Jahrestag des Regierungserlasses am 21. Mai beim eritreischen Staatspräsidenten Issayas
Afwerki für die zahlreichen inhaftierten Regime-Opfer und die Religionsfreiheit aller Gläubigen
und Kirchen zu intervenieren. Frau Merkel würde damit ein notwendiges Gegengewicht zu dem
kritiklosen und unterwürfigen Empfang des eritreischen Staatspräsidenten durch
EU-Entwicklungskommissar Louis Michel am 4. Mai in Brüssel setzen, so die IGFM.
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