22.06.2007
Tibet/VR China: China verfolgt systematische Zerstörung religiöser Bindungen und tibetischer Kultur
Schulausschluss bei religiösen Aktivitäten im heiligen Monat Dawa angedroht
Tibet/VR China: China verfolgt systematische Zerstörung religiöser Bindungen und tibetischer Kultur
Schulausschluss bei religiösen Aktivitäten im heiligen Monat Dawa angedroht
IGFM - Lhasa / Peking / Frankfurt am Main (29. Mai 2007) – Tibetischen Kindern ist es jetzt
erstmals verboten, während des den Buddhisten heiligen Monats Dawa, Schutz-Halsbänder
zu tragen und Klöster zu besuchen. Bei Zuwiderhandlung droht der Schulausschluss. Damit
will die KP Chinas ihre Politik der systematischen Auslöschung tibetischer Kultur und
Religion noch effektiver gestalten, kritisiert die Internationale Gesellschaft für
Menschenrechte (IGFM). Das Stadtkomitee von Lhasa hat die Eltern von schulpflichtigen
Kindern zu Elternversammlungen einberufen und erklärt, dass ihre Kinder im soeben
begonnenen Dawa (Geburts-, Erleuchtungs- und Todesmonat Buddhas) an keinen religiösen
Aktivitäten teilnehmen dürfen.
Religiöse Zeremonien unterliegen in Tibet starken Einschränkungen, besonders an wichtigen
Tagen und während Festzeiten wie dem Dawa, sowie den Geburtstagen des Dalai Lama und
des 11. Panchen Lama. Letztes Jahr am 12. Dezember untersagte das Parteibüro von Lhasa Parteimitgliedern, Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst, Regierungspersonal, den
Angestellten von öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Banken, Studenten und sogar
öffentlichen Bediensteten im Ruhestand, an den Feierlichkeiten des hohen buddhistischen
Festes Gaden Nyamchoe teilzunehmen oder sie zu besuchen. Missachtung wurde mit einer
Gehaltskürzung, Degradierung bestraft. Die IGFM sieht darin die Verschärfung der
Kampagne, die sich jetzt im Monat Dawa einem neuen Höhepunkt nähert.
Besonders streng werden die religiösen Restriktionen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa
gehandhabt. Angehörige der Polizei in Zivil durchkämmen die Stadt, an den
Hauptverkehrswegen und in den Altstadtgassen wimmelt es von Video-Kameras zur
Überwachung der Passanten. Um die in die Stadt kommenden Personen zu überprüfen,
wurden Sicherheits-Kontrollpunkte an den Straßen, die aus den Nachbarkreisen in die Stadt
führen, eingerichtet. Berichten aus Tibet zufolge wurde Bauern, die auf den Straßen der Stadt
mit Räucherwerk und Wachholderblättern zu handeln pflegen, verboten, diese an den
besagten Tagen zu verkaufen.
IGFM: „Patriotische Umerziehung“ bedeutet Zerstörung tibetischer Identität
Die chinesischen Behörden führen die „patriotische Umerziehung“ für Mönche und Nonnen
in den Klöstern regelmäßig und noch intensiver als früher durch. In letzter Zeit hörte man
immer wieder, dass die Arbeitsteams im Vorfeld zu wichtigen Jahrestagen oder anderen
Ereignissen obligatorische politische Schulungen für Mönche und Nonnen abhielten. Das
sogenannte „Amt für religiöse Angelegenheiten“ kontrolliert systematisch das religiöse Leben
der Tibeter. Patriotische Umerziehung und systematische Kontrolle sollen nach Auffassung
der IGFM die tibetische Identität zerstören. Dies und die seit Jahrzehnten betriebene
Ansiedlung von Chinesen haben bewirkt, dass die Tibeter im eigenen Lande zu einer
Minderheit ohne Zukunft geworden sind, so die IGFM weiter.
Am 1. Januar 2007 traten neue „Maßnahmen für die Regelung der religiösen
Angelegenheiten“, die in 56 Artikeln festgelegt und am 29. September 2006 vom 11.
Ständigen Ausschuss der Regierung der Tibetischen Autonomen Republik beschlossen
wurden, in Kraft. Die neuen Bestimmungen zielen darauf ab, die Regierungspolitik gegenüber
religiösen Vereinigungen, deren Mitarbeitern und den einzelnen Gläubigen strikt
durchzusetzen, anstatt die Religionsfreiheit zu schützen, wie es der offiziellen Politik der VR
China entsprechen würde, kritisiert die IGFM.
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