04.09.2007
Eritrea: Pastor verschwunden
– Regierung setzt anerkannte Kirchen unter<br />Druck - Katholische Kirche soll humanitäre Einrichtungen aufgeben
Eritrea: Pastor verschwunden
– Regierung setzt anerkannte Kirchen unter
Druck - Katholische Kirche soll humanitäre Einrichtungen aufgeben
LOS ANGELES, 27. August 2007 – Die Regierung von Eritrea geht weiter scharf gegen
Christen vor. Seit Mitte August wird ein Pastor vermisst. Wie Christen vor Ort mitteilten, habe
sich Pastor Leule Gebreab von der Apostolic Church in Asmaras seit dem 12. August nicht
mehr bei seiner Familie gemeldet. Trotz Nachfragen bei den örtlichen Behörden erhielten weder
Verwandte noch Gemeindemitglieder Informationen über den Aufenthaltsort des 35-Jährigen.
Der Pastor ist verheiratet ist und hat zwei kleine Kinder. Wie der Informationsdienst Compass
Direct meldete, nahm die Polizei eine Woche später, am 19. August, in einem Privathaus von
Asmara zehn Mitglieder der Full Gospel Church in Gewahrsam. Den vier Frauen und fünf
Männern wird vorgeworfen, sich zu einem illegalen Gottesdienst versammelt zu haben. Im Mai
2002 erklärte Präsident Issayas Afewerki alle Angehörigen nicht erlaubter Kirchen – darunter 35
evangelikale – zu Staatsfeinden. Nur die orthodoxe und die katholische Kirche sowie die
Lutheraner und der Islam sind anerkannt. Seitdem veranlasst die Regierung
Kirchenschließungen und verbot Privatversammlungen. Mehr als 2 000 eritreische Christen,
darunter Dutzende Pastoren und Priester, befinden sich immer noch in Gefängnissen,
Polizeistationen und Militärlagern, wo sie aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen gefoltert
werden. Ein Rechtsbeistand bzw. ein Prozess wird ihnen verweigert. Mindestens drei Christen
starben im vergangenen Jahr an Misshandlungen in der Haft.
Katholische Kirche unter Druck
Unterdessen haben eritreische Behörden die katholische Kirche am 16. August ultimativ
aufgefordert, dem Sozial- und Arbeitsministerium alle kirchlichen Schulen, Kliniken,
Waisenhäuser und Berufsausbildungszentren für Frauen zu übertragen. Vier katholische
Bischöfe richteten sofort ein Protestschreiben an die Regierung, auf das sie noch keine Antwort
erhielten. Die Faith of Christ Church hat den Eingang ähnlicher Anordnungen bestätigt. Sie soll
all ihre sozialen Hilfseinrichtungen aufgeben.
Berichten zufolge basieren die neuen Forderungen auf einem amtlichen Dekret von 1995,
nachdem nicht amtliche Wohlfahrtsinitiativen von der Regierung gesondert genehmigt werden
müssen. Als eine der ´vier historischen Religionen´ Eritreas ist die katholische Kirche von der
Regierung anerkannt. Die Bischöfe weigerten sich jedoch, dem Amt für religiöse
Angelegenheiten ausführliche Berichte über die Geistlichen sowie pastorale Aktivitäten
einzureichen, da sie nur dem Vatikan berichten wollen. Auch haben sie heftig gegen die
Forderung protestiert, alle Priester und Seminaristen unter 40 Jahren müssten Militärdienst
leisten. Die Zahl der katholischen Priester soll ebenso verringert werden. Alle eritreischen
Bürger müssen 18 Monate lang aktiven Wehrdienst leisten; doch in der Praxis werden die
Wehrpflichtigen auf unbegrenzte Zeit eingezogen; der Dienst kann willkürlich über Jahre
hingezogen werden, ohne dass es eine Möglichkeit zur Rückkehr ins Zivilleben gibt. In seinem
Grußwort an den eritreischen Botschafter sprach Papst Benedikt XVI im Dezember 2005 das
Problem an und sagte u. a.: „Eritrea wird mehr gedient, wenn sie frei sind, ihrer christlichen
Berufung nachzukommen." Die orthodoxe und die evangelisch-lutherische Kirche sowie der
Islam sollen auch ihre Geistlichen zum Militärdienst zu schicken.
Festnahme nach Hochzeitsfeier
Ein Ende Mai wurden 20 Gemeindemitglieder einer Kale-Hiwot-Gemeinde aus Dekemhare (ca.
35 km südlich von Asmara) zusammen mit ihren Kleinkindern festgenommen. Sie wurden in
der Polizeistation Nr. 5 in Asmara und dem Militärlager Adi Abeyto eingesperrt. Die
Verhaftung von Gemeindepastor Michael Abraha erfolgte einige Tage danach, möglicherweise
aufgrund eines beschlagnahmten Videos, das eine Hochzeitszeremonie zeigt. Pfarrer Zecharias
Abraham und 80 Christen von der Mehrete Yesus Evangelical Presbyterian Church, die in
Asmara am 29. April beim Sonntagsgottesdienst verhaftet wurden, sollen inzwischen
freigelassen worden sein. Eine Handvoll bei dieser Durchsuchung verhafteter ausländischer
Christen wurden nur fünf Tage später freigelassen.
Compass Direct/OpenDoors