04.09.2007
Österreich: Debatte um Moscheen - Evangelische Kirche warnt vor politischer Instrumentalisierung
Wien/Österreich, 30.08.2007 (ORF/APD) "Entschieden" sprechen sich die
Evangelisch-lutherische und die Evangelisch-reformierte Kirche für das Grundrecht aus, "dass
Muslime in unserem Land Moscheen mit Kuppel und Minarett bauen können".
"Mit Nachdruck" zurückgewiesen wird hingegen jede "Instrumentalisierung elementarer
Religionsfreiheitsrechte für politische Zwecke". Zur freien und ungestörten Religionsausübung
gehöre das Recht auf Errichtung von Moscheen, wie der Bau von Kirchen, betonen die
evangelischen Kirchen in einer Stellungnahme. Zuletzt haben sich FPÖ und BZÖ gegen den
Bau von Moscheen ausgesprochen.
„Zeichen gelungener Integration“
Ein Verbot widerspreche der Verfassung. Der Bau von Moscheen mache sichtbar, dass Muslime
als gleichberechtigte Bürger und Bürgerinnen akzeptiert werden. Insofern sei jede Moschee auch
ein "Zeichen gelungener Integration. Kuppel und Minarett sind wichtige Gestaltungselemente
einer Moschee." Die Mehrheitsgesellschaft sollte darauf mit Verständnis und Gelassenheit
reagieren, heißt es in der Stellungnahme.
Freier Rechtsstaat
Darin erinnert die Evangelische Kirche, dass sie selbst lange Zeit mit Einschränkungen der
Religionsfreiheit leben musste. Aufgrund staatlicher Vorschriften mussten evangelische Kirchen
ohne Türme und Kirchenfenster und ohne Eingang von der Straße errichtet werden. "Wir sind
froh, dass diese Zeiten überwunden sind und wir in einem freien Rechtsstaat leben, der es den
Kirchen und Religionsgesellschaften ermöglicht, ihre Religion auch öffentlich zu leben",
erklären die beiden Kirchen.
„Religionsfreiheit ohne Naivität“
Die Evangelische Kirche trete ein für "Religionsfreiheit ohne Naivität". Die Rechte von Kirchen
und religiösen Minderheiten in muslimischen Ländern müssten verbessert und gesichert werden.
"Bei uns müssen sich die Betreiber von Moscheebauten bewusst sein, dass sie mitverantwortlich
sind für die Gestaltung von Religion im öffentlichen Raum. Daher braucht jeder Moscheebau
die Akzeptanz in der unmittelbaren Umgebung." Das betreffe zum Beispiel den Brauch des
öffentlichen Gebetsrufes. Religionsfreiheit finde ihre Grenzen in den Grundrechten anderer
Bürgerinnen und Bürger.
„Gute Nachbarschaft“
Die Evangelische Kirche und ihre Gemeinden vor Ort wollen gerne mithelfen, um
einvernehmliche Lösungen zu erreichen, die den örtlichen Verhältnissen gerecht werden. Im
Verhältnis zu den Muslimen stehe die Evangelische Kirche für "Klarheit und gute
Nachbarschaft".
Bünker für „mehr Gelassenheit“
Der designierte evangelische Bischof Michael Bünker plädiert für mehr Gelassenheit und
weniger politische Instrumentalisierung. In der ZIB 2 erklärte Bünker Mittwochabend, jede
Moschee - auch mit Kuppeln und Minaretten - sei "ein Zeichen für gelungene Integration".