04.09.2007
Österreich: Der Islam ist seit 1874 anerkannte Religion – einzigartig in Westeuropa
Wien/Österreich, 25.08.2007 (Die Presse) Der rechtliche Status der islamischen
Glaubensgemeinschaft ist in Österreich anders als im übrigen Westeuropa: Der Islam ist vom
Staat als öffentlich rechtliche Religion anerkannt – wie mittlerweile zwölf andere auch. Für den
Staat gibt es damit einen offiziellen Ansprechpartner in der muslimischen Community.
Die Anerkennung wurde erstmals durch ein Gesetz 1874 verankert und 1912 durch das
sogenannte „Islamgesetz“ verstärkt. Vier Jahre zuvor hatte Österreich-Ungarn
Bosnien-Herzegowina annektiert, womit im Kaiserreich eine Million Muslime lebten. Die
beiden Gesetze aus der Monarchie waren 1979 die Basis für die Genehmigung der ersten
islamischen Glaubengemeinschaft Österreichs in Wien. Im gleichen Jahr erfolgte dann die
Eröffnung des „Vienna Islamic Centre“ in Floridsdorf – der ersten Moschee Österreichs. Die
rechtliche Gleichstellung des Islam hat in der Praxis Auswirkungen auf die Möglichkeit für den
Religionsunterricht an Schulen und die Anerkennung von islamischen Schulen.
Die Zahl der in Österreich lebenden Muslime ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen:
1991 gab es nicht einmal 160.000, heute sind es rund 400.000, vier bis fünf Prozent der
Gesamtbevölkerung. Unter ihnen ist der Anteil von Migranten hoch, die zahlenmäßig stärksten
Gruppen bilden Türken und Bosnier. Es gibt keine gesicherten Daten darüber, wie viele der
Muslime ihre Religion aktiv ausüben.
Quelle: Tageszeitung DIE PRESSE, Wien/Östereich