20.07.2020

Türkei: Unter Christen wächst die Angst

Journalist: Medien machen Stimmung gegen die Minderheit


Istanbul (idea) – Unter den Christen in der Türkei wächst die Angst vor gewalttätigen Angriffen. Das sagte der christliche griechische Journalist Mihail Vasiliadis (Istanbul) gegenüber der Zeitung „Die Welt“. In der Diskussion um die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee werde in den Medien eine feindselige Stimmung gegen die christliche Minderheit geschürt. Die Hagia Sophia war im 6. Jahrhundert als Kirche des griechisch-orthodoxen Kaiserreichs Byzanz erbaut worden. Nach der Eroberung Konstantinopels durch Truppen des Osmanischen Reiches diente sie ab 1453 als Moschee. 1934 wurde sie in ein Museum umgewidmet. Der türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat das Bauwerk per Dekret an die Religionsbehörde Diyanet übergeben und angekündigt, dass dort am 24. Juli die ersten muslimischen Gebete abgehalten werden sollen. Die gegenwärtige öffentliche Stimmung erinnere viele Christen an das Jahr 1955. Damals kam es vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen der Türkei und Griechenland um die Mittelmeerinsel Zypern in Istanbul und anderen türkischen Städten zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen die Christen, Griechen, Armenier und Juden. Viele von den heute veröffentlichten Medienbeiträgen „könnten vom selben Autor stammen“ wie damals erschienene Zeitungsartikel, so Vasiliadis. Weiter schreibt die Welt, laut einer Studie der Menschenrechtsorganisation Hrant-Dink-Stiftung seien Armenier, Juden, syrische Flüchtlinge und Christen die häufigsten „Hassobjekte“ türkischer Medien. Eine Analyse von 15 Medien habe ergeben, dass Zeitungen und Onlineportale, die Erdogan nahestehen, am meisten hetzten. 99 Prozent der rund 82 Millionen Einwohner der Türkei sind Muslime. Die Zahl der Christen liegt bei 125.000.