07.08.2008

China: Hausgemeindepastor aus Peking verbannt

Staatliche Behörden gehen weiter gegen Christen vor Olympia vor

China: Hausgemeindepastor aus Peking verbannt

Staatliche Behörden gehen weiter gegen Christen vor Olympia vor

DUBLIN, 7. August 2008 - Chinesische Behörden haben den Hausgemeindepastor Zhang Mingxuan für die Dauer der Olympischen Spiele aus der Hauptstadt Peking verbannt. Etliche weitere Christen bleiben in Polizeigewahrsam oder werden schikaniert. Der South China Morning Post zufolge holten Polizisten in Zivil Zhan und seine Frau Xie Fenglan am 18. Juli gewaltsam aus einem Gästehaus in Peking und brachten sie nach Yanjiao in der Provinz Hebei. Sie sollen somit daran gehindert werden, sich mit Ausländern zu treffen, die die Olympischen Spiele besuchen. Das Paar hatte zuvor mindestens sechsmal die Unterkunft gewechselt, um polizeilicher Drangsalierung zu entgehen. Die beiden sind inzwischen von Yanjiao in einen anderen entlegenen Ort von Hebei gezogen, wo sie den Abschluss der Spiele abwarten.

Zhan berichtete Reportern, dass durch das unablässig harte Vorgehen der Polizei die Zahl der Hauskirchen, die er im Laufe der vergangenen Jahre gegründet hat, von über zehn auf drei zurückging. Tausende chinesischer Christen gehören Hausgemeinden an. Sie weigern sich, sich bei staatlichen Behörden registrieren zu lassen. Damit wollen sie gesetzlichen Beschränkungen hinsichtlich Mitgliederzahl, der Einsetzung von Pastoren und der Kontrolle und Bestimmung von Predigten entgehen. Zhang bereiste China als Wanderevangelist, bevor er sich 1998 in Peking niederließ. Er ist Mitgründer und Präsident der im April 2005 zur Verteidigung der Rechte von Hausgemeindechristen gegründeten Allianz chinesischer Hausgemeinden. Als US-Präsident Bush China im Jahr 2005 besuchte, lud er Zhang zu einem Treffen ein, das nicht stattfand, da Zhang zuvor verhaftet wurde. Im Juni traf sich Zhang in Peking mit zwei US-Kongressabgeordneten und wurde am Abend danach unter Hausarrest gestellt. Ebenfalls im Juni nahm man ihn in Gewahrsam, als er versuchte, sich mit einem Berichterstatter des Komitees für Auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments zu treffen. Vergeblich hatte die Polizei versucht, Zhang und seine kranke Frau zum Verlassen Pekings vor der Olympiade zu drängen. „Ein Polizeibeamter schlug uns sogar die Zahlung von 5.000 Yuan [ca. 470 Euro] vor, falls wir Peking für drei Monate verlassen würden", erzählte Zhang Reportern.

Weitere Übergriffe auf Christen vor Olympia

Am 2. Juli vertrieben Behörden auch den christlichen Menschenrechtsaktivist Hua Huiqi und seine Familie aus seiner Wohnung in Peking. CAA erfuhr von weiteren Vorfällen im Stadtgebiet von Peking sowie in den Provinzen Gansu und Henan in den Monaten Juni und Juli. Am 6. Juli brachten Beamte Pastor Zhang Zhongxin aus dem Bezirk Jiaxiang in der Provinz Shandong für zwei Jahre in ein Umerziehungslager. Am 14. Juli durchsuchte die Polizei das Haus von Lu Xiaoai und beschlagnahmte christliche Literatur. Er gehört Zhang Zhongxin Gemeinde an. Auch ein weiteres Gemeindemitglied, Lian Dehai, wurde in Untersuchungshaft genommen. Danach erfolgten im Bezirk Jiaxiang weitere Hausdurchsuchungen bei Hausgemeindemitgliedern.

An den olympischen Veranstaltungsorten zeigt China ein anderes Gesicht. Dort halten Vertreter der erlaubten Religionen in China für die Athleten und andere Besucher Gottesdienste. Sportler dürfen persönliche Dinge zur Religionsausübung ins Olympische Dorf mitbringen. Dem bekannten Evangelisten Luis Palau wurde gestattet, während der Spiele sein evangelistisches Buch „A Friendly Dialogue Between an Atheist and a Christian" [Ein freundliches Gespräch zwischen einem Atheisten und einem Christen] an Athleten und Trainer zu verteilen. Im Juni kündigten chinesische Beamte an, man werde 50.000 Evangelien und 10.000 chinesisch-englische Bibeln drucken, um sie während der Spiele zu verteilen. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua erwähnte, dass, „seit die chinesische Verfassung 1982 geändert wurde, um Religionsfreiheit zu gestatten", die Zahl der Christen in China „16 Millionen überschritten" habe. Eine Zahl, die auch vom Christenrat Chinas (China Christian Council) angegeben wird. Der Rat repräsentiert nur die von der Regierung anerkannten protestantischen Gemeinden. Open Doors schätzt, dass es mindestens 80 Millionen Christen in China gibt. Über 70 Prozent von ihnen besuchen Hausgemeinden.

Compass Direct