17.12.2008

Nordkorea: Unterdrückerstaat wieder in der Isolation

AKREF/JJ – Die Religionsfreiheitkommission der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA RLC) hat stets die Meinung vertreten, dass eine rein positive Lösung – sprich ein Reformprozess ohne Blutvergießen – für Nordkorea nur möglich ist, wenn sich der Staat Schritt für Schritt öffnet. In diesem Sinne hat WEA RLC im August 2007 auch mit Hoffnung über einige Maßnahmen in Richtung einer Versöhnung bzw. Wiedervereinigung Nord- und Südkoreas berichtet. Die Zahl öffentlicher Märkte hatte sich vervielfacht, der grenzübergreifende Handel war stark angestiegen, eine Zugverbindung über die Grenze hinweg war eröffnet worden und Korea war unter einer Flagge vereint bei Olympischen Spielen aufgetreten

Doch leider wurden diese Schritte der Öffnung nun rückgängig gemacht. Nicht nur verschärfte sich der Konflikt mit Südkorea und trat  Korea bei den Olympischen Spielen in Beijing unter zwei verschiedenen Flaggen auf. In einem Versuch, wieder die vollständige Kontrolle über die Bevölkerung zu erlangen und das Land erneut zu stalinisieren, wurde die Zugverbindung zwischen Nord- und Südkorea eingestellt. Die Grenzkontrollen wurden verstärkt und an Orten, wo bisher ein Informationsaustausch zwischen Nord- und Südkoreanern möglich war, kam es zu Razzien bzw. werden dort die Kontakte zwischen Bürgern der beiden Staaten eingeschränkt oder überhaupt unmöglich gemacht.  Die Hälfte der südkoreanischen Mitarbeiter des Industriebparks Kaesong musste nach Südkorea zurückkehren. Südkoreanische Touristen dürfen das Touristenzentrum Mount Kumgang nicht mehr besuchen.     In wirtschaftlicher Hinsicht wurde scharf gegen öffentliche Märkte vorgegangen, wurde das öffentliche Verteilungssystem wieder eingeführt und wurde der Verkauf von Getreide auf Märkten verboten. Zudem dürfen seit Dezember 2007 nur mehr Frauen über 50 auf Märkten Handel betreiben, während Männer und jüngere Frauen in die Fabriken zurückgedrängt werden, wo sie völliger Kontrolle und Gehirnwäsche ausgesetzt sind.

Wie der Nordkorea-Experte Andrei Lankov erklärt, kollabierte das stalinistische System des Landes nach dem Ende der Sowjetunion und dem Tod Kim Il-Sungs im Jahre 1994. Der wirtschaftliche Zusammenbruch, der folgte, führte schließlich zur großen Hungersnot der Jahre 1996-99, der eine Million Menschen zum Opfer fielen. In dieser Zeit begannen private Märkte zu florieren und der Kapitalismus schien vorsichtig Fuß zu fassen.

Auf diese Phase der Öffnung, die vom Regime nicht gutgeheißen wurde, allerdings auch nicht verhindert werden konnte, folgten ab 2004 allerdings erste Schritte, um die Zeit zurückzudrehen. Denn die Führung Nordkoreas scheint zu glauben, dass das Regime eine drastische Liberalisierung nicht überstehen würde. Aus Angst vor politischen Unruhen, die sich ergeben könnten, würde die Bevölkerung merken, wie weit zurückgeblieben das Land ist, setzt das Regime auf Kontrolle, Informationsblockaden und Gehirnwäsche, wie das Beispiel eines Handbuches zur Indoktrination von Soldaten zeigt. Darin wird Soldaten nicht nur der Kontakt mit Informationen bzw. Kommunikationsmedien aus anderen Staaten untersagt, sondern auch explizit gegen die Verbreitung von Religion unter Soldaten vorgegangen. So wird Religion als Gift für den Sozialismus beschrieben und jeder Kontakt mit Religion bzw. deren Verbreitung als Hochverrat eingestuft.

Hoffnungen, dass die erneute Isolation dem Regime letzten Endes schaden könnte, weist Lankov zurück: „Das Regime übersteht eine Isolation. Eigentlich kann es nur in Isolation überleben.“ Eine Rebellion sei nicht zu erwarten, da die Bevölkerung unter Hunger und Unterdrückung leidet und als Folge der Gehirnwäsche und Informationspolitik des Regimes keinerlei Informationen über die Außenwelt hat.

Ob es dem Regime gelingt, die Zeit um zumindest ein Jahrzehnt zurückzudrehen, bleibt dennoch fraglich. Nicht alle werden sich fügen, nicht alle werden Maßnahmen wie jene akzeptieren, dass ab Jänner 2009 die Märkte nur noch alle 10 Tage öffnen sollen. Wird es eine Revolte geben? Wird es einen Konflikt geben? Sicher wird es Gewalt, Unterdrückung und Todesopfer geben. Religiöse Freiheit wird in Nordkorea noch länger unbekannt sein.

Quelle: WEA-RLC, gekürzte deutsche Fassung: ÖEA (BS)