19.12.2008

Eritrea: Vorsitzender der größten evangelischen Freikirche Eritrea im Geheimprozess zu 4 Jahren Haft verurteilt, jetzt mit Todesstrafe bedroht

IGFM - 19.12.2008 - Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea haben den ehemaligen Kirchenleiter Haile Naizgi als "Gefangenen des Monats Dezember 2008" benannt und zur Unterstützung für ihn aufgerufen.

Haile Naizgi (ca. 40 J.) war Vorsitzender der größten Pfingstkirche Eritreas, der "Eritrean Full Gospel Church" (Mullu-Wongel-Kirche). Am 23. Mai 2004 um 6 Uhr morgens wurde er in seiner Wohnung in der Hauptstadt Asmara festgenommen. Am gleichen Tag wurde auch der Leiter der Evangelischen Allianz Eritreas, Dr. Kiflu Gebremeskel (IGFM/IDEA-Gefangener des Monats März 2005), verhaftet. Polizeibeamte beschlagnahmten bei Haile Naizgi die Schlüssen vom Kirchenbüros ein und bedrohten seine Ehefrau.

Beide – wie Haile Naizgi so auch Dr. Gebremeskel – wurden weder innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von 48 Stunden einem Richter vorgeführt noch wurden sie einer Straftat angeklagt. Ein geheimes Sicherheitskommittee verurteilte außergerichtlich Haile Naizgi von zu fünf Jahren Haft .

Haile Naizgi und Dr. Gebremeskel sowie Tesfatsion Hagos, vor vier Jahren inhaftierter Pastor der Rema Evangelical Church, befinden sich im berüchtigten Karchele-Gefängnis von Asmara, einem Labyrinth von Räumen und Zellen, wo man Schreie der Gefangenen rund um die Uhr hört. Sie werden in Isolationshaft gehalten, Besuchserlaubnis für Familienangehörige oder andere Personen wird verweigert. Laut neuester Berichte aus Eritrea soll nun gegen sie auf Bestreben der Regierung eine Anklage wegen "Staatsverrats" erhoben werden, was mit Todesstrafe geahndet wird.

Haile Naizgi ist verheiratet und hat vier Kinder. Er war als Buchhalter bei der internationalen Hilfsorganisation World Vision tätig bevor er Vorsitzender der "Eritrean Full Gospel Church" wurde. Er steht stellvertretend für rund 2000 Glaubensgefangene in Eritrea, von denen die meisten Christen sind.

Im Mai 2002 ordnete die Regierung an, dass alle religiöse Vereinigungen - mit Ausnahme der amtlichen Orthodoxen Kirche sowie der Katholischen und Lutherischen Kirchen Eritreas – sich registrieren lassen und beim Staat ihre Zulassung beantragen müssen. Im Rahmen dieser Maßnahme wurden zwölf freikirchliche Vereinigungen mit über 20.000 Mitgliedern für illegal erklärt und ihre Gottesdienste verboten. Gleichzeitig wurde von der Regierung eine Sondertruppe ins Leben gerufen, deren einzige Aufgabe es war, bis Ende 2005 das Land von den sogenannten "mefesawyan" ("Spirituellen") zu säubern.

Eine beispiellose Verfolgungs- und Verhaftungswelle gegen die in die Illegalität getriebenen Christen setzte ein, die bis heute andauert. Besonders betroffen sind Mitglieder der freikirchlichen christlichen Gemeinschaften, die ihre Gottesdienste abwechselnd in Häusern ihrer Mitglieder abzuhalten gezwungen sind (Hauskirchen). Sogar Kinder wurden vor Verfolgung nicht verschont. Am 19. Februar 2005 wurden 131 Kinder im Alter von zwei bis 18 Jahren von der Polizei festgenommen, aufs Revier zum Verhör gebrach und dort misshandelt. Alle über 15jährige wurden anschließend von der Gruppe getrennt und auf einem anderen Revier längere Zeit inhaftiert gehalten.

Nicht selten wird eine ganze Gemeinschaft festgenommen und unter Beugung jeglicher gesetzlicher Regeln monatelang inhaftiert gehalten. Im Mai 2008 wurden 34 Christen der evangelischen Freikirche von Keren – 24 Männer und 10 Frauen – verhaftet. Während die Männer im örtlichen Gefängnis inhaftiert gehalten werden, wurden die Frauen am Tag darauf vom Sicherheitsdienst ins Adi-Abeyto Militärgefangenenlager von Asmara transportiert. Ihr weiteres Schicksal ist der IGFM derzeit unbekannt.

Wer vorübergehend in Beugehaft genommen wird, wird bei Freilassung in der Regel mit horrender Geldstrafe von bis zu 80.000 nakfa (5.330 US-Dollar) und unter Androhung einer Haftstrafe mit der Auflage belegt, jegliche christliche Aktivität in Zukunft zu unterlassen.

Schon der Besitz einer Bibel reicht mitunter für eine Festnahme und langjährige Haftstrafe aus. Die Verfahren gegen diese Christen sind von Rechtsbeugung gekennzeichnet, die Haftbedingungen so grausam, dass viele ihre Haftzeit nicht überleben. Viele befinden sich in Lagern, die nicht selten am Rande eines Militärcamps eingerichtet wurden. Folter ist ihr täglicher Begleiter. Die Inhaftierten – Frauen wie Männer - werden tagelang bei brütender Hitze ohne Wasser und Nahrung in eiserne Frachtcontainer gesperrt, um sie zu zwingen, ihrem Glauben abzuschwören. Am 5. August 2008 wurden acht inhaftierte christliche Studenten auf dem Sawa Militärtrainingslager in eiserne Container gesperrt, weil sie gegen die Verbrennung beschlagnahmter Bibeln protestierten. Im Oktober 2008 verstarb infolge der Misshandlungen und entsetzlicher Haftbedingungen Haile Naizgis Glaubensbruder, Teklesenbet Gebreab Kiflom (36), der seine einjährige Haftstrafe im Wi'a Militärgefangenenlager verbüßte.

Appell

Die IGFM ruft dazu auf, in Briefen an Präsident Aferwerki die Sorge um die Lage des in Europa nicht vergessenen Kirchenleiters Haile Naizgi und der anderen um des Glaubens willen Gefangenen zum Ausdruck zu bringen. Haile Naizgi hat vier Jahre aus Gewissensgründen gelitten, ohne dem Druck seiner Peiniger nachzugeben, die ihm mit Freilassung gegen Glaubensverleugnung winken.

Bitten Sie um einen Entlassung der Unschuldigen zu Weihnachten. Denn Ihr Einsatz für die Verfolgten ist nie umsonst. Zecharias Abraham, Nachfolger Naizgis im Vorsitz der "Eritrean Full Gospel Church", soll Meldungen zufolge freigekommen sein.

Eine Karte als Weihnachtsgruss an Pastor Haile Naizgi ist ein Zeichen an ihn aber auch an seine Peiniger, dass er nicht vergessen ist. Seine derzeitige Haftadresse ist:

Mr Haile Naizgi

Karchele prison

2nd Police Station, Zone 7 Northern East

Zoba Maakel

Asmara

ERITREA

Appellvorschlag:

His Excellency Issayas Afewerki

President of the State of Eritrea

Office of the President

PO Box 257

Asmara

ERITREA

Fax: (00 291) 1-126 422

Excellency,

we are worried about the live and safety of the Protestant Eritrean citizen Haile Naizgi.

In May 2004 he was arrested in Asmara because of his leadership in the Full Gospel Church. Since then he is incarcerated, perhaps in the Karchele prison in Asmara under brutal conditions. We fear that He can be tortured to death for refusing to sign a letter recanting his faith or be sentenced to death because of alleged high treason.

Excellency,

Eritrea ratified the International Covenant on Political and Civil Rights (ICPCR) in 2002. The free choice of religious adherence and the practice of evangelism are substantial parts of religious freedom. We urge you to take measures for Haile Naizgis safety and his immediate release. We are convinced that he is an upright citizen of Eritrea.

Yours faithfully,

(Name, Adresse des Absenders)

Appell senden über:

S. E. Herr Zemede Tekle Woldetatios

Botschaft des Staates Eritrea

Stavangerstraße 18

10439 Berlin

E-Mail: er.embassy@freenet.de

Fax: 0049 (0)30-44 67 46 21

[Appell an Präsident Issayas Afewerki - Musterbrief, pdf, 22 kB ...]