04.02.2008

Indien: Christen werden bei lebendigem Leibe verbrannt

Ausschreitungen hinduistischer Extremisten brutaler als bisher berichtet

Indien: Christen werden bei lebendigem Leibe verbrannt

Ausschreitungen hinduistischer Extremisten brutaler als bisher berichtet

Neu Delhi (idea) - 18.01.08– Die anhaltenden gewalttätigen Übergriffe auf Christen in
Indien sind wesentlich brutaler als bisher bekannt. Pastoren würden von extremistischen Hindus
bei lebendigem Leibe verbrannt, berichten Mitarbeiter indischer Partnerorganisationen des
deutsch-schweizerischen Missionswerks Inter-Mission (Hannover/Liestal).
Bei den Übergriffen im Bundesstaat Orissa, bei denen über Weihnachten nach Angaben der
Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) mindestens 730 Häuser von Christen und 95
Kirchen niedergebrannt wurden, ist ein Pastor nach Augenzeugenberichten auf diese Weise
ermordet worden. Man habe ihn an einen Pfahl gefesselt, mit Diesel übergossen und
angezündet. Am 15. Januar seien vier Pastoren ebenfalls von Hindu-Extremisten gefangen
genommen und unter Anfeuerungsrufen einer aufgebrachten Menge von „Christen-Hassern“
verbrannt worden. Über 250 Christen seien aus ihren Hütten und Häusern verschwunden. Wenn
die Fliehenden von Hindu-Extremisten aufgespürt würden, würden sie wahrscheinlich ebenfalls
gefoltert oder getötet, so die Missionsmitarbeiter. Orissa gilt als Hochburg militanter Hindus. Er
gehört zu den fünf indischen Bundesstaaten, die Anti-Bekehrungsgesetze erlassen haben. Sie
sollen Übertritte von Hindus zu anderen Religionen einschränken.
Christen: Gewalt wird noch zunehmen
Indische Christen befürchten, dass die Welle der Gewalt noch zunehmen und sich auf andere
Regionen ausdehnen wird. Der Grund: In diesem Jahr finden in zehn der 28 Bundesstaaten und
sieben Territorien Wahlen statt. Im kommenden Jahr stehen Bundeswahlen an. Die
national-hinduistische Partei BJP (Bharatiya Janata Party) verfolge die Strategie, die
Wählerschaft mit religiösen Themen aufzustacheln und zu polarisieren. Das werde zu größeren
Ausschreitungen gegen die christliche Minderheit führen, befürchtet der Generalsekretär des
Gesamtindischen Christenrats, John Dayal (Neu Delhi).
Christen fordern Kastendenken heraus
Im Hintergrund der Ausschreitungen gegen Christen stehen auch soziale Spannungen, die mit
der hinduistischen Prägung Indiens und dem Kastendenken zusammenhängen. Die sogenannten
„Unberührbaren“, die kastenlosen Dalits und die Ureinwohner der Adivasi, betrachten die
Kirchen als eine der wenigen Stätten, in denen sie frei von Diskriminierung gleichberechtigt
behandelt werden. Extremistische Hindus sind besorgt, dass die Zahl der Christen durch den
Zulauf aus den bis zu 80 Millionen Adivasi und rund 100 Millionen Dalits stark anwächst, sagte
der Vorsitzende der katholischen Indischen Bischofskonferenz, Kardinal Telesphore Toppo
(Bhubaneswar), dem Hilfswerk Misereor. Wie die Zeitung „Die Tagespost“ (Würzburg) weiter
berichtet, zählen bis zu 70 Prozent der indischen Katholiken zu den Dalits oder Adivasi. Von
den 1,1 Milliarden Einwohnern sind 82 Prozent Hindus, zwölf Prozent Muslime und etwa drei
Prozent Christen. Der Rest gehört anderen Religionen an.
Hindus: Missionare ausweisen
Der Hinduistische Weltrat (Vishwa Hindu Parishad/VHP) hat die Ausweisung aller
ausländischen Missionare gefordert. Sie arbeiteten mit links gerichteten Rebellen zusammen.
Jährlich würden Millionenbeträge nach Indien geschickt, um Hindus zu bekehren. Das solle die
Staatspräsidentin Pratibha Patil unterbinden. In Deutschland hat der entwicklungspolitische
Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Ruck (Augsburg), die indische
Zentralregierung und die Regierungen der Bundesstaaten aufgefordert, den Gesetzen Geltung zu verschaffen, die die Religionsfreiheit gewährleisten: „Auf dem Papier nützen Gesetze nur
wenig, wenn sie nicht umgesetzt werden.“